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Mit
Verwunderung haben wir als VeranstalterInnen
des Symposiums "Remapping Palestine"
die OTS-Aussendung der ÖH Uni Wien/Referat
für Öffentlichkeitsarbeit
vom 14.10.2011 zur Kenntnis genommen.
Leider fehlt uns so kurz vor dem Eröffnungstag
des Symposiums die Zeit und die Möglichkeit
abzuklären, inwieweit es sich dabei
um eine offizielle Stellungnahme der
Österreichischen HochschülerInnenschaft
handelt, da bis dato die Presseaussendung
in der Pressemappe auf der Webseite
der ÖH Uni Wien nicht zu finden
war. Leider waren auch die Vorsitzenden
der ÖH Uni Wien für eine Rücksprache
bisher telefonisch nicht erreichbar.
Wir schätzen die Funktion und Arbeit
der Österreichischen HochschülerInnenschaft,
neben ihrer Hauptagenda einer studentischen
Mitbestimmung, die es im Idealfall auch
ermöglicht, Lehrinhalte kritisch
zu hinterfragen und mitzubestimmen,
vor allem auch ihre Leistungen beim
Widerstand gegen den Bologna-Prozess,
die Auswüchse einer neoliberalen
Bildungspolitik und den Einfluss rechter
und rechtsextremer Burschenschaften
und Gruppierungen auf den Universitäten.
In der Aussendung mit dem Titel "Remapping
Palestine - nur eine andere Sichtweise?",
einer rhetorischen Frage, welche die
AussenderInnen gleich selbst beantworten,
werden die VeranstalterInnen und ReferentInnen
des Symposiums mit einer Reihe von Vorwürfen
konfrontiert, die aber den Mindeststandard
sachlicher Kritik missen lassen.
Dem Referat für Öffentlichkeitsarbeit,
entnehmen wir der Presseaussendung,
sei es ein Anliegen, auf die "Strittigkeit
des Kongresses" hinzuweisen.
Wir freuen uns, dass es dem Referat
für Öffentlichkeitsarbeit
der ÖH Uni Wien nicht entgangen
ist, dass es sich bei den diskutierten
Themen um eine Kontroverse handelt,
deren Aktualität vor dem Hintergrund
der jahrzehntelangen Besatzung, des
israelischen Siedlungsbaus und der internationalen
Auseinandersetzung um die staatliche
Nicht/Anerkennung Palästinas auf
großes Interesse stößt.
Die AussenderInnen führen als Argument
für die "Strittigkeit"
der VeranstalterInnen die Unterstützung
des Demonstrationsaufrufs gegen die
Erstürmung der Mavi Marmara am
4. Juni 2010 an, die wir als Verein
für antirassistische und friedenspolitische
Initiative als eine von 119 Organisationen
mit unterzeichnet haben. Das Referat
für Öffentlichkeitsarbeit
der ÖH Uni Wien bezeichnet diese
Demonstration als "antiisraelische
Demonstration" und setzt sie
mit einer "wilden" Demonstration
gleich, die am 1. Juni 2010 ebenfalls
in Wien stattfand.
Als Verein für antirassistische
und friedenspolitische Initiative/Dar
al Janub haben wir das blutige Vorgehen
der israelischen Marine und Armee gegen
die Hilfsflotte für Gaza aufs Schärfste
verurteilt und uns mit den InitiatorInnen
der Demonstration vom 4. Juni 2010 solidarisiert.
Die aufrufende Plattform setzte sich
aus zahlreichen migrantischen Vereinen
und Organisationen zusammen und wurde
u.a. auch von der Wiener Friedensbewegung,
der Arge für Wehrdienstverweigerung,
Gewaltfreiheit und Flüchtlingsbetreuung,
der Jüdischen Stimme für gerechten
Frieden in Nahost und dem Begegnungszentrum
für aktive Gewaltlosigkeit unterstützt.
Von den völlig zu Recht kritisierten
Aktionen, die im Zuge der "wilden"
Demonstration vom 1. Juni 2010 stattfanden,
haben sich die SprecherInnen der gemeinsamen
Plattform, allen voran der Abgeordnete
zum Wiener Landtag und Gemeinderat,
Dipl.Ing. Omar al Rawi, im Namen aller
UnterstützerInnen in unmissverständlicher
Weise distanziert und das dort mitgeführte
Plakat mit der Aufschrift "Hitler
wach auf" auf das Schärfste
verurteilt. Die Stellungnahme dazu ist
unter www.omaralrawi.net
nachzulesen. Es ist also mehr als verwunderlich,
dass das Referat für Öffentlichkeitsarbeit
der ÖH Wien exakt diese Stellungnahme
nicht zu kennen scheint, wenn es davon
spricht, dass eine Distanzierung von
einem derartigen faschistischen Plakat
ausgeblieben sei. Zumindest zeugt dieser
Vorwurf von einer Form von Recherche',
die jedes seriöse Mindestmaß
vermissen lässt.
Weltweit gingen Hunderttausende Menschen
gegen die Erstürmung der Flotilla
auf die Straße und auch in Israel
protestierten Tausende AktivistInnen
gegen das Vorgehen der israelischen
Regierung. Es ist im höchsten Maße
alarmierend, wenn Personen und rechte
Gruppierungen die weltweite Empörung
über das völkerrechtswidrige
Vorgehen der israelischen Armee dafür
zu nutzen versuchen, ihre antisemitischen
Inhalte zu transportieren. Als antirassistischer
und friedenspolitischer Verein entspricht
es unserem Selbstverständnis, dass
wir solche Aktionen, wie auch jede Form
von Rassismus, Antisemitismus, Sexismus
und Islamophobie nicht nur verurteilen,
sondern auch in unserer Öffentlichkeits-
und Partizipationsarbeit bekämpfen.
In der OTS-Aussendung der ÖH wird
unsere Stellungnahme zur Erstürmung
der Mavi Marmara als "fragwürdig"
bezeichnet, weil wir die Tötung
von FriedensaktivistInnen durch israelische
Soldaten verurteilten. Es bleibt für
uns nicht nachvollziehbar, wie die ÖH,
die auch von der UNO kritisierte Vorgehensweise
beurteilt. Eine implizite Befürwortung
der Erstürmung einer Friedens-Flotilla
erachten wir unsererseits jedenfalls
für mehr als fragwürdig.
Zu der vom Referat für Öffentlichkeitsarbeit
übernommenen und inhaltlich nur
variierten Kritik an Professor Ilan
Pappe, die von der Österreichisch-Israelischen
Gesellschaft ursprünglich erhoben
wurde, verweisen wir auf unsere Replik
in der Stellungnahme vom 25. August
2011 (www.dar-al-janub.net).
Man kann natürlich die Forschungsergebnisse
von Prof. Ilan Pappe diskutieren, kritisieren,
interpretieren und unterschiedlich bewerten.
Sie implizit aber als vermeintlich "unwissenschaftlich"
abzuklassifizieren, ist angesichts der
wissenschaftlichen Reputation und Profilierung
des Autors schlicht unseriös und
wirft die Frage auf, auf welcher akademisch-wissenschaftlichen
Basis sich die Vertretung der österreichischen
HochschülerInnenschaft dieses Urteil
über einen Universitätsprofessor
der renommierten Universität Exeter
zu bilden glaubt. Letztlich liefe die
inhaltlich wage formulierte Kritik darauf
hinaus, die eigene Geschichtsperspektive
als einzig "wahre" und mögliche
zu monopolisieren. Eine wissenschaftliche
Arbeitsweise - und dazu sollte eine
Österreichische HochschülerInnenschaft
angehalten sein - schließt gerade
solche Monopolbildungen aus und lädt
dazu ein sich kritisch und selbstkritisch
mit schwierigen und ungewohnten Denk-
und Wahrnehmungsweisen auseinander zu
setzen. Vor diesem Hintergrund wäre
es mehr als unverständlich Professor
Ilan Pappe das Recht abzusprechen, seine
Forschungsergebnisse zur Diskussion
zu stellen, und wir empfinden es als
bedenklich, wenn die ÖH einen israelischen
Wissenschafter durch ein öffentliches
Diskussionsverbot zu verbannen sucht.
Der Rückzug der Förderung
durch die Austrian Development Agency
erfolgte nicht - wie die Aussendung
der ÖH nahe zu legen sucht - aufgrund
einer inhaltlichen Kritik am Symposium,
sondern aus formalen Gründen. Auch
hier verweisen wir auf unseren Offenen
Brief, der auch auf unserer Website
unter www.dar-al-janub.net nachzulesen
ist. Herr Dr. Hartmeyer wird im übrigen
am Eröffnungstag des Symposiums
teilnehmen und eine kurze Ansprache
halten.
Völlig unnachvollziehbar und daher
kaum kommentierbar bleibt auch, weshalb
die ÖH die Benennung der türkischen
Humanitarian Relief Foundation als "humanitäre
Organisation für Menschenrechte
und Freiheit" durch die Referentin
Annette Groth, menschenrechtspolitische
Sprecherin der Fraktion "DIE LINKE"
im Deutschen Bundestag, offenbar als
antizionistische - und in einer bedenklichen
Gleichsetzung - als antisemitische Position
bezeichnet. Sollte die Tatsache, dass
es sich bei der IHH um eine islamische
Menschenrechtsorganisation handelt,
dem Referat für Öffentlichkeitsarbeit
der Österreichischen HochschülerInnenschaft
schon genügen, um diese zu verurteilen,
verorten wir bei der ÖH leider
einen dringenden Diskussionsbedarf über
Islamophobie.
Wir möchten an dieser Stelle nochmals
alle Interessierten zum Symposium vom
19. bis 21.Oktober.2011 einladen. Wesentliche
Themen des Symposiums sind die historischen
Linien und Strukturen des Konflikts
in Israel/Palästina; die gegenwärtige
Situation in den besetzten Gebieten;
die Rezeption des israelisch-palästinensischen
Konflikts im Westen; die aktuelle GeldgeberInnenpolitik
und die Perspektiven einer gerechten
und dauerhaften Friedenslösung.
ReferentInnen sind unter anderem der
palästinensische Historiker Salman
Abu Sitta, der amerikanisch-palästinensische
Wissenschafter Joseph Massad, der israelische
Historiker Ilan Pappe, Umar Al Ghurabi
von der israelischen NGO Zochrot, sowie
die deutsche Bundestagsabgeordnete Annette
Groth.
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