| 30. März 2007:
Unser
Betreuer ist ein Märtyrer geworden von unserer
Korrespondentin Nisma M. Mustafa 
 Bild:
Nisma M. Mustafa |
Unser Betreuer ist ein Märtyrer geworden. Wir haben ihn verloren und haben
ihn geliebt. Er war schön und war 20 Jahre alt. Er hat Tourismus studiert.
Er war unser Nachbar und hat mit uns im El Quasmieh Lager gewohnt. Seine Hobbys
waren Fußball spielen, schwimmen,... Ich habe ihn immer in unserem Lokal
gesehen, und auch im Internetcafe. Er hat seine Zeit immer im Club verbracht,
wir waren wie eine Familie. Wir verstanden uns einander und mit den anderen Betreuern
sehr gut und harmonisch. Er hat uns Zeichnen, Bildhauen, Photographieren, Sticken,
Töpfern und Computerumgang gelehrt. Er hat geglaubt und gewusst, das Kinder
Aufmerksamkeit und Meinungsfreiheit brauchen. Er hat uns zu vielen Aktivitäten
gebracht. Er hat uns beim Lernen und bei den Aktivitäten unterstützt. Wir
haben ihn sehr geliebt, als einen von unserer Familie. Er war für uns der
schönste und beste Betreuer. Jeden Tag ist er in den Club gekommen. Er hat
mit uns gespielt und hat uns viele Aktivitäten gelehrt (singen, Theater).
Er hat uns in vielen wichtigen Sachen beraten. Wir haben ihn sehr geleibt und
wir haben mit ihm Ausflüge gemacht, bei denen wir zusammen gespielt haben.
Unsere Sommeraktivitäten haben immer Anfang Juli begonnen. Dieses Jahr
war der 10. Juli, ein Tag vor unserem Ausflug. Nachdem wir gespielt haben, haben
wir lauten Lärm gehört von Flugzeugen. Wir haben alle geweint und geschrieen
und wir sind in unsere Häuser zurück gegangen. Der schreckliche Krieg
hat begonnen. Dieser Krieg hat die Menschen, und die Bäume und auch die Steine
getötet. Wir waren verwirrt, wohin sollen wir gehen? Wir haben nichts,
wir haben kein Geld, was sollen wir essen? An einem sehr traurigen Tag wurde
unser Lager getroffen. An diesem Tag sind viele Menschen und Kinder gestorben,
und unter diesen Menschen war auch der Betreuer. Mein Herz hat geweint, als ich
ihn verloren habe. Ich konnte das nicht glauben. Ich war sehr traurig und deprimiert.
Nach dem Krieg bin ich in den Club, und in die Strasse mit dem Internetcafe gegangen,
aber ich habe ihn nicht gefunden. Der Krieg hat alles verändert, auch die
Menschen. Niemand ist an seinem Platz geblieben. Das Wasser war schmutzig und
wir haben viele Krankheiten bekommen (Hepatitis, Cholera). Nie hat man uns geholfen.
Das Lagerkomitee versucht eine Lösung zu finden, aber wo können wir
die Lösung finden?
19.März 2007: ...möchte
ich zurück nach Palästina von unserer Korrespondentin
Nisma M. Mustafa
Ich
bin ein 11jähriges Mädchen. Ich komme aus einer palästinensischen
Familie und lebe im El Quasmieh Lager. Ich möchte Euch die Situation in den
Lagern erklären, besonders die Situation in dem Lager wo ich wohne. Das
Lager hat keine gute Gesundheitsversorgung. Wir haben nur zwei Kliniken und die
sind immer geschlossen, außer an zwei Tagen in der Woche. Die Schule ist
weit weg von unseren Häusern, und im Winter gehen wir zu Fuß zur Schule.
Überall ist Wasser, unter uns und über uns, es regnet im Winter sehr
viel. Die Straßen sind voll mit Wasser, weil es keine Ableitungen für
das Regenwasser gibt. Die Straßen sind voller Löcher, und die Dächer
unserer Häuser sind aus Zinkblech. Wenn es stark regnet können wir einander
nicht hören. Das Trinkwasser ist verschmutzt und das führt zu Hepatitis-Erkrankungen.
Am meisten davon betroffen sind die Kinder, es gibt viele Leute die kein Wasser
kaufen können. Die soziale Situation ist sehr schlecht, wir haben viele Arbeitslose
unter den Jugendlichen, die keine Chance haben Arbeit zu finden. Das Gastgeberland
verbietet ihnen Arbeit zu finden. Das Lager ist weit entfernt vom Krankenhaus
(8 km). Als der Krieg begonnen hat und die Raketen unser Dorf getroffen haben,
gab es viele Verwundete, und es war schwierig für uns die Verwundeten ins
Krankenhaus zu bringen. Dieses Lager mit 5000 Bewohnern ist nicht anerkannt von
der UNRWA. Deshalb bekommen wir keine Unterstützung von der UNRWA*. Als palästinensisches
Mädchen möchte ich zurück nach Palästina um dort als freies
arabisches Mädchen zu leben. * Neben den
registrierten palästinensischen Flüchtlingen im Libanon, die in offiziellen,
von der UNRWA als solche anerkannten und mit minimaler Grundversorgung ausgestatteten
Flüchtlingslagern leben, gibt es eine nicht näher bekannte Anzahl von
unregistrierten palästinensischen Flüchtlingen, sowie ganze Flüchtlingssiedlungen,
die als nicht-registrierte Lager von den Diensten der UNRWA ausgeschlossen sind.
Näheres dazu: Interview mit Richard Cook, Direktor der UNRWA. In: "...und
wo ist Palästina? Eine Reise in die palästinensischen Flüchtlingslager
im Libanon" S. 49f, Wien 2006; ISBN 3-9502184-0-8
  27.Februar
2007:
Mein schlimmstes Erlebnis von
unserer Korrespondentin Nisma M. Mustafa 
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Mein
Name ist Nisma Mahmoud Al Mustafa, ich lebe in der Flüchtlingssiedlung El
Quasmieh. Ursprünglich stamme ich aus Palästina, aus Harrawi
(Harauwi) im Verwaltungsgebiet Safad. Ich mag den Club*, die Aktivitäten
die hier im Zentrum stattfinden, und die Ausflüge, welche von uns unternommen
werden. Ich bin zwölf Jahre alt. Das schlimmste Erlebnis, das ich hatte war
während des Krieges, denn es waren beängstigende und grauenvolle Momente.
Es war schrecklich, wir verließen El Quasmieh und gingen nach Saida. Mein
Bruder blieb in Quasmieh zurück und wir machten uns große Sorgen um
sie. Ich habe noch einen Bruder in Hamra**, der dort mit Freunden lebt, und wir
verbrachten viele Tage weinend und in großer Sorge um ihn, und wir machten
uns auch große Sorgen um meinen Bruder, der in Quasmieh lebt, denn er versuchte
über den Fluß zu gelangen***. Bevor wir Quasmieh Richtung Saida verließen,
wurde einer der Einwohner Quasmiehs tödlich verletzt. Er war einer der beliebtesten
Menschen in Quasmieh. Wir haben eine kleines Zimmer und saßen dort und weinten
um diesen Mann. In Saida beteten wir den ganzen Tag, denn wir erwarteten den Tod
und dachten ständig an meinen Bruder in Quasmieh und hofften ihn im Fernsehen
zu sehen. Die schrecklichsten Tage waren die Tage während des Krieges, und
wir hoffen**** sehr, dass sie nicht wiederholt werden. *
Gemeinst ist das "Justice for Children Centre" ** Stadtteil in Beirut ***
Da die Brücken von der israelischen Luftwaffe bombardiert wurden, mussten
viele Flüchtende gefahrvolle Wege über den Fluss nehmen. **** Im
Orginal heißt es: "wir vertrauen darauf, dass sie sich nicht wiederholen"
 
 Allgemeines
über Nisma und die Flüchtlingssiedlung El Quasmieh »
Die handschriftlichen
Orginaleinträge auf arabisch können als eingescanntes Bild aufgerufen
werden »

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im palästinensischen Flüchtlingslager Qasmiyeh:
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