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Veranstaltungsbericht über die Podiumsdiskussion „Rassismus: Gesellschaftliche Strukturen, wissenschaftliche Konstrukte und politische Praxis – Ein Dialog aus unterschiedlichen Perspektiven“

 

Vom 26. März 2010 bis 18. Juni 2010 initiierte der Verein für antirassistische und friedenspolitische Initiative das von der Magistratsabteilung 17 der Stadt Wien geförderte Projekt „Sesam öffne dich – Begegnung schafft Räume“. Neben mehreren Stadtspaziergängen, bei der WienerInnen mit und ohne Migrationshintergrund sich gemeinsam auf die Spurensuche nach der unsichtbaren und marginalisierten Geschichte dieser Stadt machten, Workshops zu Antirassismus und offenen Diskussionsabenden fand am 10. Juni 2010 im Hotel Regina eine Podiumsdiskussion zur theoretischen Rahmung des Projektes statt. Dabei ging es vor allem darum, kritische universitäre, postkoloniale Auseinandersetzungen, die oftmals in keinem Bezug zu einer antirassistischen Praxis stehen, für ein interessiertes/aktivistisches Publikum aufzubereiten. Daran anknüpfend sollten Möglichkeiten der gegenseitigen Befruchtung bzw. der Überwindung von Barrieren erarbeitet werden, die wiederum in eine politische, antirassistische Praxis einfließen könnten.


ReferentInnen des Abends waren
- Frau Gabriele Dietze, Amerikanistin und Kulturtheoretikerin von der Humbodt-Universität Berlin mit den Forschungsschwerpunkten Intersektionalität, critical whitness-studies sowie Okzidentalismusforschung,
- Herr Hossam Shaker, Journalist und Autor zahlreicher Bücher in arabischer und englischer Sprache zu den Themen Migration und Partizipation von MigrantInnen in Europa, sowie
- Frau Araba Evelyn Johnston-Arthur, Lehrbeauftragte am Institut für Germanistik und Afrikanistik und Mitbegründerin von Pamoja – Bewegung der jungen afrikanischen Diaspora in Österreich.


Okzidentalismus als Meta-Rassismus der Eliten

Der Theorie von Fernando Coronil folgend, definierte Frau Dietze einleitend Okzidentalismus nicht als Pendant zum Konzept des Orientalismus nach Said, sondern als dessen Vorbedingung, weil eine bloße Umkehr verschleiern würde, dass es aufgrund eines - noch immer präsenten - kolonialen Erbes ein fortwirkendes Machtgefälle zwischen Orient und Okzident gäbe. Wesentliches Charakteristikum bei diesem Ansatz sei, dass der Focus des Interesses von den so genannten „Orientalen“ auf den „Okzident“ zurückgeworfen werde, und wie sich dieser über den „Orient“ überhaupt erst konstruieren konnte.
Durch eine kritische Okzidentalismus-Forschung werde der Blick auf das „Eigene“ zurückgeworfen und die Frage aufgeworfen, inwiefern die Abgrenzung gegenüber den „OrientalInnen“ als konstitutives Moment für die Konstruktion eines europäischen Selbst notwendig war und ist.


Dabei streifte Frau Dietze in ihrem Vortrag folgende Themen einer kritischen Okzidentalismus-Forschung:


- „Migrationsfeindlichkeit“ bzw. „Ausländerfeindlichkeit“
- Vorstellungen von Emanzipation (insbesondere Frauenemanzipation sowie die Toleranz gegenüber Homosexualität) als Formen imaginierter europäischer Selbstvergewisserung, imaginiert, da diese gerade auch in breiten Schichten der Aufnahmegesellschaft nicht tragend seien.
- Integration als Verständnis einer Einbürgerung im Sinne einer größtmöglichen Anpassung an die hegemonialen Normen und Verhaltens-Standards der sogenannten Aufnahmegesellschaft (Stichwort Muslim-Fragebögen in Deutschland)


Die Kritik des Okzidentalismus speise sich aus drei Theorie-Strängen,


- der critical-witheness-theory, die von schwarzen FeministInnen in den USA als Kritik an der stillschweigenden Norm des „Weißseins“ in feministischen Diskursen entwickelt wurde. Auf den thematisierten Diskurs bezogen, sei „Weißsein“ eine unmarkierte Gruppenzugehörigkeit, die nicht wahrgenommen werde, dennoch wirkmächtig sei und Mitglieder mit Privilegien ausstatte.

- dem Konzept des Orientalismus nach Said, demzufolge die Konstruktion des „Orientalen“ aus einem Sammelsurium nordwestlicher Wissenschaftszweige zusammengesetzt sei, die dem „okzidentalen“ Selbst die Möglichkeit gäbe, sich im Gegensatz zum Konstrukt „Orient“ als „aufgeklärt“, handlungsmächtig und „überlegen“ zu empfinden.
- der post-colonial theory. Im kolonialen Kontext sei aber der Orientalismus von den heutigen Ressentiment-Strukturen gegenüber dem „Orientalen“ zu unterscheiden: Die koloniale Orientalismus-Phantasie beschäftigte sich mit den Phantasmen von „verweichlichten Paschas“ und „willigen Haremsdamen“; der Neo-Orientalismus hingegen speise sich aus Vorstellungen von „Terrorismus“, von „unterdrückten Frauen“ und einem „orientalischen Patriarchat“ usw., Phantasmen, die jedoch ebenso abendländische „Aufgeklärtheit“ und „Entwickeltheit“ konstruieren sollen.


Laut Dietze gilt es die verschiedenen Formen der Rassismen zu unterscheiden, um ihre Struktur zu analysieren. Die critcial-witheness-theory beispielsweise sei insbesondere dort entscheidend, wo es die Struktur von anti-black-Rassismus zu analysieren gäbe. Die Analyse der Ressentiment-Strukturen gegenüber schwarzen Menschen rücke dabei speziell in jenen Gesellschaften in den Vordergrund, in der Rassismus gegenüber der schwarzen Bevölkerung eine lange Geschichte habe, beispielsweise in den USA. Antisemitismus wiederum sei eine andere Form von Rassismus; während anti-black-Rassismus eine „weiße Überlegenheit“ errichtet, baut Antisemitismus eine „arische Überlegenheit“ und Okzidentalimus eine „abendländische Überlegenheit“ auf. Umgekehrt haben alle Formen des Rassismus Gemeinsamkeiten und sind gleichermaßen verabscheuungswürdig, dennoch sei es wichtig die einzelnen Konstruktionsmuster im Detail zu untersuchen. Die Analyse und Konfrontation mit den unterschiedlichen Formen von Rassismus sei ein stets weiterzuentwickelnder Prozess, aus dem sich niemand „hinausdefinieren“ und als „antirassistische/r ZuseherIn“ herausnehmen könne.


Zum Abschluss ihres Impulsreferates kritisierte Frau Dietze anhand des Begriffs „Ausländerfeindlichkeit“ die Praxis jener postnazistischen Länder, die nach wie vor die Staatsbürgerschaft vom „Blutrecht“ abhängig und damit Generationen von Menschen im Land zu „Ausländern“ machten, während in andern Ländern bereits das Geburtsrecht gelte. In Ländern mit einer anderen kolonialen Vergangenheit – beispielsweise Frankreich und England – hätte man „Ausländerfeindlichkeit“ sehr bald als Rassismus identifiziert. Nach der Diskreditierung des biologisch definierten Rassismus durch den Faschismus habe sich der Rassismus zu einem schwerer wahrnehmbaren Rassismus gewandelt und gestalte sich nunmehr als kulturalistischer Rassismus. Mit Étienne Balibar ließe sich der Rassismus im postnazistischen Europa als „Rassismus ohne Rassen“ und daher als Meta-Rassismus bezeichnen.


Den Begriff „Meta-Rassismus“ griff Frau Dietze schließlich auf, um ihn in ihrer These zum „Okzidentalismus als Meta-Rassismus der Eliten“ zu erweitern: Der Rassismus in Europa werde institutionalisiert durch Gesetzgeber, Medienberichterstattung und Leitartikel, Lehrpläne u.v.m., wobei der Rassismus der so genannten „unteren Schichten“ dabei keineswegs negiert werden solle. Es gelte jedoch die „Täterschaft“ klar zu benennen, bei der der Rassismus der so genannten „unteren Schichten“ als Legitimation für diskriminierende Gesetze herangezogen werde. Als „banales Beispiel“ dafür, dass rassistische Strukturen oftmals in den Eliten „vorgelebt“ werden würden, erwähnte Frau Dietze die Selbstverständlichkeit von migrantischer Kommunalität in kommerziellen, privaten TV-Medien („Deutschland sucht den Superstar“) im Gegensatz zur Unterrepräsentanz migrantischer Partizipation in staatlichen Sendeanstalten.


Stereotypen-Bildungen in Form selektiver Diskriminierungen


Hossam Shaker legte in seinem Vortrag die Stufen der Zuspitzung dar, die in den demokratischen Gesellschaften Europas zu selektiver Diskriminierung und zum selektiven Rassismus führen würden. Dem Interpretationsmodell “Selektive Diskriminierung/Selektiver Rassismus” zufolge, basiere dieser auf drei wahrnehmbaren Stufen. In einer ersten Stufe werde ein bestimmter Bevölkerungsteil zur „Ausnahme“ von der Norm definiert. In der zweiten Stufe würden die Angehörigen dieser „Ausnahmegruppe“ exkludiert, dämonisiert, diffamiert, und es würde Verhetzung gegen sie betrieben werden. Die abschließende Stufe sei die Ebene der Maßnahmen, die sich in Beschränkungen und diskriminierenden Praktiken niederschlage.
Herr Shaker erläuterte dies anhand aktueller „Ausnahme-Definitionen“: ein bestimmter Typus von Kirchtürmen, ein bestimmtes Kleidungsstück werde zunächst als „Ausnahme“ interpretiert, ein Turm eines Gebetshauses als „fremdes“, politisches und militärisches Symbol, das Kleidungsstück zu einem „kulturfremden“ Symbol der Bedrohung oder Misshandlung. Religiöse Rituale und Praktiken würden als geheimnisvoll und bedrohlich interpretiert, ein Phänomen – so Shaker – das in Europa gegenüber Minderheiten-Ritualen nichts Neues darstelle; religiöse Almosen und Armenabgaben würden einem verdächtigen Ruch ausgesetzt, Kulturen und Religionen als gefährliche, fremde Ideologien gebrandmarkt werden. Diese Ausnahme-Interpretationen seien der Nährboden der Diffamierung, veraltete Stereotype und Klischees würden neu entdeckt und nahezu nahtlos zur Maßnahmen-Ebene führen. Öffentliche Diskussionen und Wahlkampagnen griffen diese „Ausnahme-Interpretation“ auf, WählerInnen stimmten in den Kabinen für Verbote und diskriminierende Maßnahmen.


Um „das (okzidentale) Stadtbild zu bewahren“, werde die Errichtung von Moscheen mittels Wahlkampagnen oder baupolizeilichen Auflagen untersagt oder verhindert. Moscheen seien demzufolge Bauten mit “außergewöhnlicher Architektur“, eine Argumentation, die selektiv gelte und beispielsweise bei Hundertwasser-Bauwerken in Wien nicht zum Tragen käme.


Jede dieser Stufen bezöge sich auf die vorhergehende und erreiche damit Sonderstellungen und Ausnahmen im Bereich der Freiheits- und Grundrechte. Opfer dieser legalisierten Diskriminierung seien dabei aber nicht ausschließlich die unmittelbar betroffenen Menschen, sondern in letzter Instanz die Grundwerte der Gesellschaft. Die Zurückweisung legalisierter, selektiver Diskriminierung sei daher nicht nur als ein Akt der Solidarität oder Zivilcourage nötig, sondern auch zur Verteidigung der Grundrechte und –werte der Gesellschaft.


In Europa herrsche zunehmend ein Klima der Ressentiments, Forderungen nach Beschränkungen und Verboten würden von Tag für Tag lauter. Zunehmend sei eine Verbotskultur zu beobachten, die sich dabei auf eine lange Geschichte der Diskriminierung stütze: In München sei es bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts verboten gewesen, eine evangelische Kirche innerhalb der Stadtmauern zu bauen, in vielen Städten Europas wurde der Bau von Synagogen untersagt, und selbst dort, wo der Bau erlaubt wurde, gab es Einschränkungen.


Ein zentrales Phänomen sei dabei ein selektiver, spezifischer Rassismus innerhalb der Rassismen: Die Reduktion auf bestimmte Kultur- oder Religionsangehörige im Kontext eines unterstellten „Kampfs der Kulturen“.


Gerade in Krisenzeiten und der daraus resultierenden Verunsicherung der Menschen werde die Vielfalt nicht als eine gesellschaftliche Bereicherung, sondern als eine Bedrohung wahrgenommen. Wird in diesem Kontext suggeriert, die „eigene Identität” sei „in Gefahr“, werde die Suche nach dem „Gegenteil”, von dem abgrenzend man sich zur eigenen Identitätsfestigung aufrichte, zur realen Gefahr. Insbesondere – so Shaker – weil „das Gegenteil“ zu finden sich meist „gegen einen Teil der Gesellschaft“ richte. Die kurzfristige Erleichterung, die diese Dichotomisierung bringe, drohe auf die Gesellschaft zurückzufallen, im Namen der Frauenrechte würden Frauenrechte verletzt, im Namen der Hassbekämpfung seien Hassparolen und Hassplakate überall im öffentlichen Raum sichtbar.


Europa drohe derzeit in eine tiefe moralische Krise zu fallen, erlebe eine Wiederbelebung der Kultur der Verbote und Exklusionen. Die Lehren der europäischen Geschichte hätten gezeigt, dass die stufenweise Exklusion und die Rechtfertigungen verhängnisvolle Konsequenzen erzeugen können. Die Zukunft der gesellschaftlichen Entwicklung in Europa läge in den Händen jeder und jedes Einzelnen, in den Händen der gesellschaftlichen Akteure.


Antirassistische Strategien in einem postnazistischen und postkolonialen Raum


Frau Johnston-Arthur leitete ihren Vortrag damit ein, dass sie unmittelbar vor der Veranstaltung eine E-Mail-Aussendung (hier Details zu der Aussendung) erhalten habe, in der sie erstmalig von Vorwürfen (siehe Stellungnahme des Vereins zu den gleichlautenden Vorwürfen aus dem Jahr 2008) las, die gegenüber dem einladenden Verein Dar al Janub erhoben werden. Sie habe sich dazu entschieden, an der Podiumsdiskussion teilzunehmen, da sie es aus ihrer eigenen Erfahrung antirassistischer Praxis für notwendig erachte, kritische Punkte zur Diskussion zu stellen und zu thematisieren. Ausgehend von der Anschuldigung, eine „Tarn- und Nachfolgeorganisation“ der ehemalige Studenteninitiative "Sedunia" zu sein, die nach ihrer verwerflichen Kundgebung im November 2003 kurzzeitig traurige Bekanntheit erreichte, forderte Frau Araba Evelyn Johnston-Arthur nochmals von den VeranstalterInnen eine Klarstellung und Distanzierung. Damit verbunden brachte sie in Bezug auf die im Rahmen der Podiumsdiskussion gestellten Fragen nach politischen antirassistischen Praktiken die Frage ein, welche antirassistische politische Praktiken es in einem sowohl neokolonialen, als auch postnazistischen Raum zu entwickeln gelte. Bezugnehmend auf einen Einladungstext der VeranstalterInnen über Gayatri Spivaks „Können die Subalternen sprechen“, problematisierte Johnston-Arthur ihre eigene Erfahrung im Zuge der Ausstellung „Verborgene Geschichte/n – remapping Mozart“: Die Ausstellung „Schwarze österreichische Geschichte“ fand in Räumlichkeiten statt, die von den Nationalsozialisten arisiert worden waren. Als Johnston-Arthur dies während der feierlichen Eröffnung zum Thema machte, vereiste die Stimmung augenblicklich, doch weder im Rahmen der Eröffnung noch später in Interviews zur Ausstellung konnte Johnston-Arthur „sprechen“, als Schwarze, die dieses Verbrechen thematisieren wollte, wurde sie nicht wahrgenommen und habe die Erfahrung, dass Subalterne nicht sprechen könnten, somit selbst erlebt. Es genüge nicht, Antisemitismus in antirassistischen Kämpfen zu vermeiden, sondern mehr noch gelte es, ihn als Bestandteil politischer Praktiken zu bekämpfen.


Insbesondere warnte Johnston-Arthur vor der „Parallelisierung“ kolonialer und rassistischer Geschichtsaufarbeitung. Um diese Parallelisierungsproblematik zu veranschaulichen, zog Johnston-Arthur ein Beispiel heran: Die blutige Geschichte des Sklavenhandels und die Verbrechen gegen afrikanische Menschen im Rahmen des Kolonialismus und der Versklavung werde in den Diskursen oftmals verharmlost und banalisiert. Um mit dieser Verharmlosung zu brechen, habe Johnston-Arthur in ihrer Diplomarbeit 2004 den transatlantischen Sklavenhandel als „schwarzen Holocaust“ bezeichnet. Damit, so Johnston-Arthur, sei sie aber in die Falle der Parallelisierung getappt; indem sie auf einen Begriff zurückgegriffen habe, von dem sie zum Zeitpunkt ihrer Diplomarbeit dachte, es handle sich um einen „etablierten Begriff“, der ein Verbrechen benennt und auch im Mainstream sichtbar mache. Hier sei es zentral, die Verbrechen weder miteinander zu vergleichen noch sie gegeneinander auszuspielen.


Denn zugleich erlebe Johnston-Arthur in ihrer politischen Öffentlichkeitsarbeit der „Recherchegruppe zu Schwarzer österreichischer Geschichte“ oftmals gerade im postnazistischen Raum den Versuch, die blutige Geschichte der Sklaverei zu „featuren“, um die eigene postnazistische Geschichte zu verdecken. Es gelte daher antirassistische Praxis einerseits als einen ständigen und sich weiterentwickelnden Prozess zu erkennen, andererseits sich dessen bewusst zu sein, dass dieser nicht im „luftleeren Raum“ stattfindet, sowie die gesellschaftlichen Strukturen und Räume der Vergangenheit und Gegenwart mitzudenken.


Conclusio


Gabriele Dietze gelang es in ihrem Vortrag, die Ansätze unterschiedlicher Theoriestränge feministischer, postkolonialer und orientalistischer Kritik aus einem akademischen und damit letztlich „elitären“ Diskursrahmen zu übersetzen, anschaulich zu machen und zugleich programmatisch zusammenzufassen: Im postkolonialen und postnazistischen gesellschaftlichen Raum gilt es den Blickwinkels umzukehren: Statt „die Anderen“ – seien es EuropäerInnen mit Migrationshintergrund oder die Gesellschaften der Länder des Südens – einer prüfenden, abschätzenden, forschenden und letztendlich selbstkonstitutiven Analyse zu unterwerfen, gilt es vielmehr die eigenen Projektionen auf „die Anderen“ einer umfassenden Kritik zu unterziehen. Mittels dieses selbstkritischen Ansatzes gelingt es viel eher, in einen Dialog zu treten und rassistische Denkmuster auch in der Praxis aufzubrechen.


Auf prägnante Weise skizzierte Hossam Shaker die Phänomene rassistischer Strukturen anhand der sich aufschaukelnden und einander bedingenden Stufen der Zuspitzung. Durch die Kennzeichnung und Identifizierung alltäglicher und beinahe schon zur Gewohnheit gewordener Diskussionen als Teil einer selektiven Diskriminierung würden diese als solche wiedererkennbar.


Anschaulich problematisierte Araba Evelyn Johnston-Arthur die in der Linken und Antiglobalisierungsbewegung vernachlässigte Auseinandersetzung mit antisemitischen Strukturen vor dem Hintergrund postnazistischer Gesellschaften. Insbesondere verdeutlichte sie die Gefahr der Parallelisierung - und damit der vereinfachenden Gleichsetzung oder des Gegeneinander-Ausspielens – von Rassismen und rassistischen Gewaltverbrechen.


In der anschließenden, sehr kontroversiell geführten Publikumsdiskussion konnte diese Problematik nur begrenzt aufgebrochen werden, reproduzierte sich ansatzweise erneut und führte zu hitzigen Debatten, ob – und wenn, welche – Rassismen besonderer Aufmerksamkeit antirassistischer Praxis bedürften. Die Aufgeladenheit dieser gesellschaftlichen Thematik zeigte sich unter anderem auch, als ein Zuhörer einwarf, der israelisch-palästinensische Konflikt würde die Antisemitismus-Debatte zusätzlich verschärfen, da der Vorwurf des Antisemitismus auch missbräuchlich verwendet werden würde. Der unmittelbar darauf erfolgte Gegeneinwurf, damit wolle man den real existierenden Antisemitismus wegdiskutieren, verdeutlichte die Komplexität dieser Thematik.
Die Diskussion um die Dimension neokolonialer und rassistischer, internationaler Diskriminierungsphänomene zu erweitern, gelang dabei kaum und blieb über weite Strecken im Rahmen des westlichen, europäischen Diskurses stehen, nicht zuletzt da die Frage nach den Wegen antirassistischer Praxis in einem ebenso postnazistischen wie postkolonialen Raum in dieser Debatte nicht gelöst werden konnte.

Die Diskussionsveranstaltung war Teil des Projekts "Sesam öffne dich – Begegnung schafft Räume", gefördert von der MA 17 der Stadt Wien

Details zum Projekt "Sesam öffne dich - Begegnung schafft Räume" »

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