
Remapping Palestine – Historische
und Geographische Entwicklungen, aktuelle Implikationen und Perspektiven im
Nahost-Konflikt
Symposium: 19.
bis 21. Oktober 2011
Podiumsdiskussionen, Workshops, Ausstellung,
Konzert
Ort: Albert-Schweitzer-Haus, Schwarzspanierstraße 13, 1090 Wien
18.00 – 18.45 Uhr | Eröffnung und Begrüßung
19.00 – 21.30 Uhr
The Ongoing Nakba
– Geschichte und Struktur einer 100jährigen
Kolonialisierung
Vorträge und
Podiumsdiskussion mit:
·
Joseph
Massad, Dozent an der New Yorker Columbia
University für "Modern Arab Politics and Intellectual History", USA
·
Salman Abu Sitta,
Gründer und Präsident der Palestine Land Society, Großbritannien
Bestimmendes Selbstverständnis hegemonialer Wissenschaften in Europa und den USA ist das Prinzip der Objektivität. Die „historische Wahrheitsfindung“ im Kontext des israelisch-palästinensischen Konflikt kann daher – so scheinen es die gängigen Diskurse zu suggerieren – nicht durch die Einbeziehung palästinensischer Narrative ergänzt werden, da diese „parteiisch“ und „subjektiv“ wären, die israelischen Narrative hingegen den Kriterien objektiver Wissenschaft entsprächen. Die reale Vertreibung der PalästinenserInnen und die militärische Landnahme ging konsequenterweise zuerst mit der Negierung ihrer Existenz einher. Herzl erfand den Mythos vom „Land ohne Volk für ein Volk ohne Land“, Golda Meir meinte noch, dass es „so etwas wie ein palästinensisches Volk“ nicht gäbe und der amtierende israelische Außenminister Lieberman forderte, alle arabischen Knesset-Abgeordneten hinrichten zu lassen und alle in Israel verbliebenen PalästinenserInnen zu deportieren. Liebermans Vorschläge sind ein eindrucksvolles Beispiel dafür, dass die Negierung der historischen Nakba bis heute dazu führt, dass die unaufgearbeitete Geschichte die Gegenwart einholt und die fortgesetzte Nakba die palästinensische Bevölkerung bedroht.
Bis heute sind
die Debatten insbesondere auch in Europa von Stereotypen gegenüber den
palästinensischen Positionen geprägt. Inwieweit prägen Diskurse Fakten und
Realitäten und umgekehrt Realitäten Diskurse?
21.30 – 22.00 Uhr
Buffet
14.00 – 16.00 Uhr
Workshop:
Die Konstruktion orientalistischer
Fremdheit und okzidentaler Eigenheit am Beispiel des Nahostkonflikts
Dr. Anthony Löwstedt - Webster University Vienna
Oliver Hashemizadeh - Dar al Janub
In den letzten Jahrzehnten setzten sich
zahlreiche ambitionierte und beachtenswerte Projekte und Initiativen für ein
für friedvolles Miteinander zwischen Israelis und PalästinenserInnen ein.
Insbesondere inter/kulturelle Initiativen gelten dabei als mögliche Brücke der
Verständigung. In einem Workshop wollen wir uns anhand einiger Beispiele die
Herausforderungen und Hindernisse eines interkulturellen Dialogs zwischen
PalästinenserInnen und Israelis erarbeiten.
16.00 – 16.30 Uhr
Kaffeepause
16.30 – 18.30 Uhr
Vortrag und Workshop:
Perspektiven und Hindernisse einer
Gedenkarbeit zur Nakba in Israel
Umar al-Ghubari – NGO „Zochrot“
Die israelische
NGO “Zochrot” arbeitet seit 2002 mittels Sensibilisierungskampagnen innerhalb
der jüdisch-israelischen Gesellschaft für eine Geschichtsaufarbeitung in
Israel/Palästina. Mittels Aktivismus, Workshops und Gedenkarbeit strebt Zochrot
die Bewusstseinsbildung in Israel über die Vertreibungen und die
palästinensische Nakba an. Ihr Ziel ist es, die Nakba zu „hebräisieren“ und die
ethnischen Säuberungen in Palästina in die Diskurse innerhalb Israels und der
jüdischen Gesellschaft hineinzutragen, mithin die ersten Voraussetzungen für
einen zukünftigen Frieden zu schaffen. Siehe auch: www.zochrot.org.
18.30 – 19.00 Uhr
Pause
19.00 – 20.00 Uhr
Vortrag:
Mapping Palestine: for its Survival or
its destruction?
Präsentation des “Atlas of Palestine
1917- 1966”.
Salman Abu Sitta
Der palästinensische Wissenschafter Salman Abu Sitta forscht seit über 40 Jahren zur palästinensischen Geschichte vor, während und nach der Staatsgründung Israels. Dabei dokumentierte er nicht nur die Nakba, sondern zeichnet ein umfassendes Bild der palästinensischen Gesellschaft vom Anfang des vorigen Jahrhunderts bis zur Gegenwart. Sein jüngstes Buch „Atlas of Palestine“ (re)konstruiert dabei ausgehend von britischen, zionistischen und arabischen Quellen ein Land, das bis heute offiziell nicht existiert.
20.00 – 20.30 Uhr
Pause
20.30 – 22.00 Uhr
Podiumsdiskussion:
Das palästinensische Rückkehrrecht aus
unterschiedlichen Perspektiven
Mit:
·
Salman Abu Sitta
·
Ali
Hweidi (General secretary of the Palestinian NGO „Thabit“, Lebanon)
·
Umar al-Ghubari
Mehr als 4 Millionen palästinensische
Flüchtlinge sind heute bei der UNRWA (United Nations Relief and Works Agency)
registriert, weitere Zehntausende gelten als unregistrierte oder sogenannte
Non-ID-Flüchtlinge, die von UNRWA-Leistungen ausgeschlossen sind. Mehr als eine
Million PalästinenserInnen leben in Flüchtlingslagern in Jordanien, Libanon und
Syrien. Das Rückkehrrecht ist für viele PalästinenserInnen eine existenzielle
Frage, da es die im Krieg 1948 erlittenen Vertreibungen, Enteignung und
historische Ungerechtigkeit verkörpert. Seit 1948 wurde das Recht auf Rückkehr
in der Resolution 194 der UNO-Generalversammlung verbrieft. Dennoch wurde es
bei allen bisher präsentierten Friedensinitiativen ausgespart und vertagt. Ist
das Recht auf Rückkehr eine realisierbare Option? Ist das Rückkehrrecht
Hindernis oder Voraussetzung für einen dauerhaften und gerechten Frieden in
Israel/Palästina?
14.00 – 16.00 Uhr
Vortrag und Workshop:
Zionismus und Raumplanung am Beispiel
Jerusalems/Al Quds
·
Viktoria Waltz (Architektin, Expertin in
Raumplanung, Deutschland)
Die Schaffung
eines Staates mit jüdischer Bevölkerungsmehrheit – wenn nicht eines ethnisch
gesäuberten jüdischen Staates – war Ziel der zionistischen GründerInnen
Israels. Mit den Vertreibungen 1948, und in weiterer Folge der Besatzung
Rumpfpalästinas 1967, wurde dieses Ziel ein Stück weit realisiert. Dennoch lebt
eine palästinensische Minderheit in Israel als BürgerInnen zweiter Klasse und
in den besetzten Gebieten Millionen PalästinenserInnen unter israelischer
Besatzung. Die israelische Bürokratie setzt zahlreiche Maßnahmen mittels
Siedlungsbau, dem Bau der Trennungsmauer oder israelischer Bau – und
Planungsgesetze palästinensisches Land zu enteignen und die Vertreibungen in
einem „legalisierten“ Rahmen fortzusetzen. In ihrem Vortrag und Workshop gibt Viktoria Waltz, ehemalige Dozentin an der
Fakultät Raumplanung der Universität Dortmund und ehemalige Regierungsberaterin des
palästinensischen Wohnbauministeriums in Gaza und Ramallah Einblicke in die raumplanerischen Ein- und Ausbürgerungsmaßnahmen des israelischen
Staates.
16.00 – 16.10 Uhr
Kaffeepause
16.10 – 16.30 Uhr
Impulsreferat/Statement von
16.30 – 18.00 Uhr
Vorträge und Podiumsdiskussion:
“NGOisierung” in der Westbank und in den
palästinensischen Flüchtlingslagern: Selektive westliche GeldgeberInnen-Politik
und die Rolle von NGOs.
Mit:
·
Fawaz Hammad – Dozent für Gesundheitsökonomie
an der Arab American University Jenin
·
Ali Hweidi
·
Viktoria Waltz
Non-Profit-Organisationen und Non-Government-Organisationen spielen in vielen Gesellschaften eine immer wichtiger werdende Rolle um mangelnde staatliche Agenden zu kompensieren, zu erweitern oder gar zu ersetzen. In den besetzten Gebieten und in den palästinensischen Flüchtlingslagern fällt NGOs die wesentliche Aufgabe zu, fehlende Sozialleistungen, Bildungs- und Empowering-Möglichkeiten sowie andere sozialpolitische Projekte und Initiativen zu schaffen. Oftmals sind NGOs dabei auf Gelder aus öffentlicher Hand angewiesen. Am Beispiels Palästinas zeigt sich jedoch auch, dass die US-amerikanischen und europäischen Richtlinien zur Vergabe von entwicklungspolitischen Hilfsgeldern manchmal zweifelhafte Ergebnisse zeitigen und nicht selten politisch motivierte Einflussnahmen eigenständige palästinensische Projekte unterbinden. Inwieweit erreicht die westliche GeldgeberInnen-Politik ihre deklarierten Intentionen, an welchen Punkten verfehlt sie das Ziel und inwieweit verfolgen NGOs bisweilen eine interventionistische westliche Politik stellvertretend für ihre Regierungen?
18.00 – 18.30 Uhr
Pause
18.30 – 20.00 Uhr
Vortrag:
Out of the Frame – Der Kampf um die
akademische Freiheit am Beispiel des Nahostkonflikts
Ilan Pappé (Israelischer Historiker, Autor
und Professor an der Universität Exeter)
Kaum ein anderes Gebiet zeitgenössischer historischer Forschung wird derart erbittert umkämpft, wie die Erforschung der Geschehnisse vor, während und nach Gründung des Staates Israel. Der hegemonialen westlichen Historiographie ist der Begriff der Nakba bis heute nahezu unbekannt. Ilan Pappé zählt als israelischer Historiker zu der Generation israelischer Wissenschafter, die mit ihren Forschungsergebnissen weltbekannt wurden. In seinem jüngsten Buch „Wissenschaft als Herrschaftsinstrument“ illustriert Pappé den schwierigen Weg in einer hegemonialen akademischen Wissensproduktion neue Impulse zu setzen, die den Keim einer friedlichen Lösung des israelisch-palästinensischen Konflikts bergen könnten.
20.15 – 22.00 Uhr
Konzert mit Alp Bora
Im europäischen
Istanbul geboren, im anatolischen Ankara und im orientalischen Bagdad
aufgewachsen, fand Musiker Alp Bora 1998 seine wahre Heimat in Wien. Mit seinen
Liedern gibt Alp Bora einen großartigen Einblick in die kleinen Volkslieder,
die man in Anatolien schon als Kind von Mutter und Großmutter fast täglich zu
hören bekam: Bei der Hausarbeit, beim Tee nach dem Essen oder als
Gute-Nacht-Geschichte. Und man schenkt ihnen noch heute gerne Gehör.
Dabka-Tanzgruppe
Dabka ist ein
Folkloretanz, der in diversen Ländern des Nahen Ostens um das östliche
Mittelmeer getanzt wird, insbesondere auch in Palästina. Bis heute ist dieser
schwer zu erlernende Tanz für viele PalästinenserInnen zum Symbol für die
Verbindung zu Palästina geworden
19. – 20. Oktober 2011:
Ausstellung
palästinensischer Handwerkskunst – präsentiert von der NGO “Thabit”, Libanon
Konferenzsprache: Englisch, Deutsch
Eine Veranstaltung
von: Dar al Janub – Verein für antirassistische
und friedenspolitische Initiative
Details und aktuellstes Programm: www.dar-al-janub.net/Remapping_Palestine
Gefördert von:
Österreichische
Entwicklungszusammenarbeit
Stadt Wien – Wien Kultur
In Kooperation mit:
Gesellschaft für
Österreichisch-Arabische Beziehungen
Pax
Christi Österreich
Anna
Lindh Foundation Austria
Koordinationsforum
zur Unterstützung Palästinas
