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Im
Zuge der Vorbereitung und Ankündigung
unserer Veranstaltung Remapping
Palestine vom 19. -21. Oktober
2011 im Albert-Schweitzer-Haus haben
wir sehr viele positive Rückmeldungen
von unterschiedlicher Seite erhalten,
neben palästinensischer Zustimmung
vor allem auch von christlicher Seite
und von jüdischen Stimmen.
Zu einem Thema wie dem Nahostkonflikt
gibt es selbstverständlich auch
unterschiedliche Meinungen, wie sie
beispielsweise gestern von VertreterInnen
der Österreichisch-Israelischen
Gemeinschaft geäußert wurden
(Wiener Zeitung, Printausgabe 25.08.2011,
Seite 8, online: www.wienerzeitung.at).
Da gerade so ein aufgeladenes Thema
wie der israelisch-palästinensische
Konflikt von einer lebendigen und
kontroversiellen Diskussion befruchtet
werden kann, freuen wir uns über
die kritischen Anmerkungen, die uns
ermöglichen, unsere eigene Auseinandersetzung
kritisch zur Diskussion zu stellen.
Wir möchten deshalb gerade auch
die Sprecherin der Österreichisch-Israelisch
Gemeinschaft, Frau Shaked, herzlich
dazu einladen, die von ihr vorgebrachten
Sorgen gemeinsam zu diskutieren.
Auf einige dieser, am 24. August 2011
in der Wiener Zeitung dargestellten
Kritikpunkte möchten wir kurz
eingehen und noch einmal unsere Sichtweise
zur Veranstaltung und zu unserer politischen
Arbeit darlegen.
Der Einwand, die Konferenz (Re)mapping
Palestine sei ein einseitiges
Symposium, das keine einzige israelische
Stimme zulasse, können
wir in dieser Form leider nicht nachvollziehen.
Wiewohl der inhaltliche Schwerpunkt
der Konferenz, die Rekonstruktion
einer palästinensischen Geschichte
vor 1948 ist, wurde dieses Vorhaben
gerade von israelischen WissenschafterInnen
und AktivistInnen inspiriert, die
seit den 80er Jahren durch ihre mutigen
Auseinandersetzungen in Israel selbst
aufzeigten, dass die Anerkennung der
jeweiligen anderen Seite
ein essentieller Schritt für
eine friedliche Lösung des Konfliktes
ist.
Dies war für uns auch Motivation,
die israelische NGO Zochrot
(www.zochrot.org)
nach Wien einzuladen, die mit ihrer
zivilgesellschaftlichen Arbeit Brücken
zwischen israelischer und palästinensischer
Geschichte baut. Dass die israelische
NGO Zochrot sich entschieden
hat, Herrn Umar al-Ghubari, einen
arabischen Israeli als Delegierten
zu entsendet, verdeutlicht beispielhaft,
wie in manchen israelischen NGOs Zusammenarbeit
zwischen Juden und Arabern zu einer
Selbstverständlichkeit zählt.
Insofern ist es nicht richtig, dass
an unserer Veranstaltung keine israelischen
Meinungen vertreten sind. Wie in jeder
Gesellschaft gibt es auch in Israel
unterschiedliche Positionen; und auch
die Position der Friedensbewegung,
die das Unrecht an den PalästinenserInnen
anerkennt, existiert. Dieser Teil
ist auch sehr gerne bereit, sich gemeinsam
mit palästinensischen Stimmen
an einen Tisch zu setzen. Gleiches
gilt für Professor Ilan Pappé.
Dem Artikel Israel-Kritiker
sorgt für Aufregung von
Simon Pötschko (Wiener Zeitung,
24.8.2011) entnehmen wir, dass Pappé
zwar als renommierter Historiker
bekannt sei, ihm allerdings ein unseriöser
und einseitiger Ruf anhafte.
Wir teilen die Einschätzung,
dass es sich bei Professor Ilan Pappé
um einen renommierten Wissenschaftler
handelt, da dieser eine renommierte
Ausbildung an israelischen Universitäten
durchlaufen hat. Wie seinem Curriculum
zu entnehmen ist, studierte er an
der Hebrew University in Jerusalem
und promovierte an der University
of Oxford. Zur Zeit des Osloer Friedensprozesses
gründete und leitete er das Academic
Institute for Peace in Givat Haviva
in Israel. Von 1984 bis 2006 war er
Senior Lecturer am Institut für
Middle Eastern History und am Institut
für Political Science an der
Universität Haifa. Gegenwärtig
ist er Direktor des European Center
for Palestine Studies an der Universität
Exeter, einer der führenden Universitäten
im europäischen Raum.
Für uns ist daher leider nicht
nachvollziehbar, weshalb Frau Shaked
die wissenschaftliche Expertise von
Professor Pappé in Zweifel
zieht. Leider konnten wir aus der
zitierten Stellungnahme nicht entnehmen,
weshalb es sich bei Professor Pappé
um einen zweifelhaften
Wissenschaftler handeln sollte und
freuen uns, wenn seine KritikerInnen
uns ihre Sicht auf inhaltlicher Ebene
darlegen.
Ilan Pappé, dessen Eltern in
den 30er Jahren aus dem nationalsozialistischen
Deutschland fliehen mussten und nirgendwo
sonst Unterschlupf finden konnten
als in Israel, meinte im Zusammenhang
mit den, im deutschsprachigem Raum
gegenüber seiner Person angedrohten
öffentlichen Sprecherverbote
: Mein Vater wurde als deutscher
Jude in ähnlicher Weise in den
frühen 30er Jahren zum Schweigen
gebracht, und es ist traurig, Zeuge
der Wiederkehr der gleichen Zensur
im Jahre 2009 zu sein.
Gerade auch als BürgerInnen eines
Landes mit einer nationalsozialistischen
Vergangenheit, in dem Menschen aufgrund
ihrer religiösen und sogenannten
ethnischen Zugehörigkeit
zu Abertausenden verfolgt, gefoltert
und ermordet wurden, sehen wir es
als unsere antirassistische Pflicht,
der in den 30er und 40er Jahren des
vorigen Jahrhunderts vollzogenen Verbrechen
und der Politik des Sprechverbotes
und der Zensur, eine demokratische
Politik des offenen Dialoges entgegen
zu setzen.
Mit großer Sorge mussten wir
der ÖIG-Stellungnahme entnehmen,
dass der Titel unseres Symposiums
Remapping Palestine mit
Neubelagerung Palästinas"
fehlinterpretiert wurde. Den Titel
dieser Veranstaltung wählten
wir in Anlehnung an Edward Saids Bemühungen,
israelische und palästinensische
WissenschafterInnen für eine
Aufarbeitung der gemeinsamen Geschichte
des Landes zu gewinnen (1).
Wenn man einen herkömmlichen
Atlas zur Hand nimmt, wird man feststellen,
dass dort die palästinensischen
Gebiete von 1967 nicht eingezeichnet
sind. (Re)mapping Palestine stellt
vor diesem Hintergrund einen Versuch
dar, den Staatsformierungsprozess
Palästinas auf die politische
Agenda zu setzen, da unserer Einschätzung
nach keine friedliche Lösung
an einer solchen Bemühung vorbeiführen
kann.
Die Kritik, die an unserem Symposium
auf der Website der Scholars
for Peace in the Middle East
ins Treffen geführt wird (www.spme.net/cgi-bin/articles.cgi?ID=8332),
in der unser Symposium als Teil der
israelischen Protestbewegung im Zeltlager
auf dem Rothschild-Boulevard erwähnt
wird, kann uns daher nur optimistisch
stimmen.
Ganz im Gegenteil zu Chava Gurions
Einschätzung, es handle sich
dabei um naive Linke,
empfinden wir diese Protestbewegung
als einen wichtigen Schritt, um Brücken
zwischen israelischen und palästinensischen
BürgerInnen Israels zu schlagen.
Dies auch gerade deshalb, weil es
zeigt, dass Israel und die israelische
Zivilgesellschaft aus europäischer
Perspektive eben nicht als einheitliches,
monolithisches Konstrukt gesehen werden
darf, sondern immer mehr Stimmen,
gerade auch in Israel, zu Wort kommen,
die eine kritische Auseinandersetzung
mit der Besatzungspolitik der Regierung
fordern.
Wir möchten dennoch das Selbstverständliche
noch einmal betonen:
Als antirassistischer Verein werden
wir immer und aufs Energischste gegen
jegliche Form des Antisemitismus vorgehen.
Wer unser Symposium als Plattform
für rechtsextremes und/oder antisemitisches,
islamophobes, fremdenfeindliches,
rassistisches und sexistisches Gedankengut
missbrauchen will, hat bei unserer
Veranstaltung nichts zu finden und
zu suchen.
Selbstverständlich achten wir
auch bei der Auswahl unserer ReferentInnen
darauf, dass diese dies ebenfalls
tun. Es gibt hier in Europa, in Israel
und überall auf der Welt sehr
viele jüdische Menschen, die
gleiche und ähnliche Positionen
vertreten, wie in unserer Veranstaltung
angeführt, und wir freuen uns
über Unterstützung seitens
der Kritischen Jüdischen Stimme
(Österreich), deren VertreterInnen
die Veranstaltung ausgesendet und
ihre Teilnahme angekündigt haben.
Natürlich wird in unserer Veranstaltung
dabei auch die Vorgehensweise der
israelischen Verantwortlichen kritisiert,
sowohl was die Besatzung angeht, was
den Siedlungsbau im Westjordanland
angeht, was den Umgang mit der arabischen
Minderheit angeht, und auch was die
vorherrschende historisch-wissenschaftliche
main-stream Position in Israel ist,
die leider sehr oft die Besatzung
des Westjordanlandes legitimiert und
die arabischen Erfahrungen negiert.
Wichtig ist uns, und deshalb machen
wir die Konferenz, auch die palästinensische
Seite zu Wort kommen zu lassen.
Gerade im Zuge eines zukünftigen
Friedensprozesses und der Errichtung
eines palästinensischen Staates
neben dem israelischen, halten wir
auch die Anerkennung der palästinensischen
Geschichte für notwendig.
Wie dies vor sich gehen könnte,
welche Perspektiven dabei angedacht
werden können, usw., genau das
soll Teil unserer Konferenz sein.
Insofern hoffen wir natürlich
auch, dass die Österreichisch
Israelische Gesellschaft, zu der wir
bisher noch keinen Kontakt hatten,
in einen Dialog mit uns tritt. Wir
würden uns auch sehr darüber
freuen, wenn sie sich an unserer Konferenz
beteiligen würden.
Weiters wird die Veranstaltung von
unterschiedlichen Körperschaften
unterstützt. Die MA 7 fördert
die Veranstaltung (als Kulturabteilung
das Konzert und die Tanzgruppe), die
Anna Lindh-Stiftung Österreich,
Pax Christi Österreich, die Gesellschaft
für österreichisch Arabische
Beziehungen, das Koordinationsforum
zur Unterstützung Palästinas,
treten als politische UnterstützerInnen
auf und haben uns ihre Logos als Form
der Unterstützung auf den Veröffentlichungen
gesendet.
Selbstverständlich unterstützt
auch das Albert-Schweitzer-Haus unserer
Veranstaltung durch Vermietung der
Veranstaltungsräumlichkeiten.
Wir denken also, dass die Veranstaltung
breit abgedeckt ist, und wie gesagt,
auf großes Interesse an Nahost-Politik
Interessierte stößt. Wir
wissen dass es gerade beim Thema Nahostkonflikt
immer wieder zu Diskussionen im Vorfeld
kommt. Wir denken aber, dass es in
Österreich möglich sein
soll und auf keinen Fall unnötig
ist, diese Diskussionen zu führen.
Die Lage in den palästinensischen
Gebieten und Israel ist angespannt
und schwierig genug, und jeder Versuch
eines Gespräches sollte unterstützt
werden.
Mehr zur Veranstaltung und zum Verein
findet sich unter www.dar-al-janub.net.
Auf unserer Homepage haben wir vor
einiger Zeit auch schon mal Stellung
bezogen zu verschiedenen Kritikpunkten
und Vorwürfen gegen unseren Verein,
diese Stellungnahme kann ebenfalls
sehr gerne eingesehen werden.
Wir möchten Sie auf diesem Wege
auch gerne herzlich zur Konferenz
einladen, damit sich jeder und jede
Interessierte sich selbst ein Bild
machen kann bzw. dort auch unterschiedliche
Ansichten zu vertreten.
Das Dar al Janub Zentrum Interkultureller
Begegnung in der Kleistgasse 8/3,
1030 Wien öffnet ab 09.09.2011
nach der zweimonatigen Sommerpause
wieder wie gewohnt jeden Freitag ab
18.30 Uhr und lädt herzlich zur
Diskussion ein. Wir sind außerdem
telefonisch unter 0676 7893413 und
selbstverständlich auch per E-Mail
erreichbar.
Wien, 25.08.2011
Verein für antirassistische und
friedenspolitische Initiative (Dar
al Janub)
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Fußnote:
(1) Edward Said, Palestinians
under Siege: putting Palestine on
the map, London Review of Books,
Vol. 22 No. 24, 14 December 2000,
(http://www.lrb.co.uk/v22/n24/edward-said/palestinians-under-siege).