BERICHT ÜBER DIE AUSSTELLUNG
UND DIE VERANSTALTUNGSREIHE
Vom
1. bis einschließlich 5. April 2004 fand in Wien eine Veranstaltungsreihe
im Rahmen einer Foto- und Bilderausstellung mit dem Titel "Aidun -
Wir werden zurückkehren!" statt. Im Mittelpunkt stand dabei eine,
im europäischen Diskurs zwar vielfach ignorierte, dennoch umso zentralere
Forderung der seit 56 Jahren vertriebenen palästinensischen Flüchtlinge:
Die Erfüllung des Rechts auf Rückkehr in ihre Heimat. Die ausgestellten
Aufnahmen bildeten dabei einen einprägsamen Hintergrund zu den Referaten
und Diskussionen und verdeutlichten die Tragweite des Rückkehrrechtes
und die Brisanz des Themas.
100 Farbaufnahmen aus 16 verschiedenen Flüchtlingslagern verteilt auf
3 Länder zeigten das Bild einer scheinbar vergessenen Realität
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"Zeichne
ein Stück Elend. |
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Einer
Realität, die in allen bisherigen Friedensplänen und -initiativen
ignoriert, geleugnet oder vom Tisch gefegt werden sollte. In der jüngst
präsentierten und in Europa vielfach diskutierten "Genfer Initiative",
einem Abkommen über einen endgültigen Status in Palästina
und Israel, wurde das Rückkehrrecht in diesem Sinne abgehandelt.
| "Neue Lösungen und Initiativen werden immer wieder vorgeschlagen, aber bisher hat noch nie jemand den Flüchtlingen zugehört. Es ist das Recht der Palästinenser über ihr Schicksal selbst zu bestimmen" | ![]() |
Die
Podiums- und anschließende Publikumsdiskussion, die am zweiten Tage
der Ausstellung stattfand, bot den Rahmen für und war Teil einer beginnenden
palästinensisch-europäischen Diskussion zwischen Wissenschaftern,
Politikern, Vertretern von Glaubensgemeinden und Interessierten. Am Podium
diskutierten Dr. Arafat Madi (vom Palestinian Return Center/London), Dr.
Mahmoud Issa (Europakoordinator der International Coalition for the Right
of Return, Mitarbeiter des Danish Refugees Council), Herr Bundesminister
a. D. Erwin Lanc (Präsident des International Institut for Peace) und
Frau Dr. Helga Baumgarten (Professorin an der Universität Birzeit/Ramallah;
Mitarbeiterin des Österreichischen Instituts für Internationale
Politik).
In der Diskussion wurden wesentliche Aspekte im Zusammenhang einer gerechten
und friedlichen Entwicklung in Palästina betont. Grundvoraussetzung
jeglicher denkbaren Lösung sei ein umfassendes und vorbehaltloses Eingeständnis
Israels an der Schuld für die Deportation und Ermordung der Palästinenser
während der al-Nakba 1948. Heute leben 5,2 Millionen Palästinenser
als Flüchtlinge in der Diaspora.
| "Warum
bin ich gezwungen hier zu leben, wenn mein Haus inmitten der Weingärten
liegt…dort in Palästina?" |
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3,8 Millionen Palästinenser leben "vorübergehend" in Flüchtlingslagern, betreut von der UNRWA (Hilfswerk der Vereinten Nationen für Palästinaflüchtlinge im Nahen Osten). Diese versucht zwar die elementarste Versorgung der Flüchtlinge zu gewährleisten, jedoch - ebenfalls ein in diesem Rahmen diskutierter Aspekt - verfügt sie unverständlicherweise über keinerlei Mandat um die Flüchtlinge vor weiteren Angriffen seitens der israelischen Armee zu schützen.
| "Ein
philosophisches Dilemma: ‚Sollten wir das Fenster vergrößern
um mehr Luft zu bekommen … oder sollten wir es verkleinern um uns vor
den Kugeln der Soldaten zu schützen?!' " |
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Nachdrücklich wurde darauf hingewiesen, dass die Lösung der humanitären und sozialen Katastrophe, die die Flüchtlingslager darstellen, eine politische Frage ist. Es ist aber vor allem auch eine Frage des politischen Willens, so wurde und wird das Rückkehrrecht in aktuellen und vergangenen Konflikten als selbstverständliches Recht anerkannt und zur Geltung gebracht.
Verschiedene Auffassungen der Realisierbarkeit der Rückkehr wurden in der Diskussion aufgeworfen, vor allem stellte sich die Frage, wohin die palästinensischen Flüchtlinge zurückkehren sollten? In einen möglichen palästinensischen Staat (Westbank und Gazastreifen)? Von palästinensischer Seite wurde bekräftigt, dass das Recht auf Rückkehr erstens ein individuelles, von niemandem kollektiv verhandelbares Menschenrecht ist, und zweitens es gleichzeitig eine Rückkehr zu jenen Dörfern, an jenen Ort bedeutet, aus denen sie 1948 vertrieben worden sind.
| "Seit
al-Nakba sind drei Generationen vergangen, aber nur eine ist geblieben, um zurückzukehren." |
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Übereinstimmung gab es in der Anerkennung der Tatsache, dass 95% der palästinensischen Flüchtlinge die "Lösungsansätze" der "Genfer Initiative" entschieden ablehnen und dass dieses Faktum in der europäischen Diskussion über eine friedliche und gerechte Entwicklung in Palästina unbedingt berücksichtigt und anerkannt werden muss.
Die Forderungen der palästinensischen Flüchtlinge lauten:
Insbesondere müsse in der internationalen Diskussion deutlich auf die katastrophale humanitäre und soziale Situation der Palästinenser in den Flüchtlingslagern aufmerksam gemacht und hingewiesen werden, die Lage der Flüchtlinge müsse im öffentlichen Bewusstsein verankert und in jeder Diskussion über Palästina und über mögliche friedliche Entwicklungen berücksichtigt werden.
Unser Dank gilt allen Gästen und allen, die zum Gelingen dieser Veranstaltung beigetragen haben; insbesondere unserem Ehrengast, Herrn Landtagspräsident Johann Hatzl, dem Moderator der Eröffnungsveranstaltung, Herr Fritz Edlinger von der Gesellschaft für Österreichisch-Arabische Beziehungen, den Podiumsgästen sowie dem Kolpinghaus, das uns die Räumlichkeiten zur Verfügung gestellt hat.
Die Veranstalter:
Die
Palästinensische Immigranten Vereinigung in Österreich
ist ein Verein, dessen Zielsetzung es ist den Rechten der Palästinenser
und insbesondere dem Recht der palästinensischen Flüchtlinge auf
Rückkehr in ihre Heimat Geltung zu verschaffen.
Die
Perspektive Süd
ist eine
deutschsprachige, vierteljährliche Zeitschrift, die sich wissenschaftlich
mit den internationalen politischen Entwicklungen auseinandersetzt und zur
Diskussion stellt.
Sedunia
- Initiative für internationale Politik
setzt sich mit
ihren Aktivitäten für antirassistische und antikoloniale Ziele
ein.
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