Die meisten von
euch haben mit uns schon lange zusammengearbeitet. Ihr habt uns immer wieder unterstützt,
durch eure Arbeit, durch eure Erfahrung, durch gute Ratschläge und durch
Motivation.
Durch das Zusammentreffen mit Menschen aus Palästina, aus
der Türkei, aus der Ukraine und aus vielen anderen Ländern wurde uns
immer mehr bewußt welche Bedeutung die interkulturelle Zusammenarbeit und
Begegnung hat.
Sie ist herausfordernd, da Beständiges und Gewohntes,
in der Lebensweise genauso wie in der politischen Analyse und Arbeit, in Frage
gestellt werden. Vor allem ist sie bereichernd -
durch die zusätzlichen
kulturellen und politischen Erfahrungen, durch den Vergleich und durch die andere
Perspektive mit der Europa, die Menschen hier, das Zusammenleben in der Gesellschaft,
die Geschichte, die Politik betrachtet wird.
Zwei Dinge fallen den Menschen
die aus dem Süden nach Europa kommen sofort auf:
Erstens die Kälte
und das Desinteresse aneinander, die Vereinzelung, selbst unter Nachbarn, und
zweitens, und das hängt eng miteinander zusammen, die indirekte Gewalt und
die Herrschaft die Europa, die die europäische Kultur oftmals ausübt.
Das sind Eigenschaften die im Zusammenleben in Europa spürbar sind,
und die auch eine weltweite politische Bedeutung haben. Eigenschaften, die eine
lange geschichtliche Grundlage im Kolonialismus haben, wo das Verhältnis
zu anderen als Herrschaftsverhältnis bestimmt wurde, ein Verhältnis,
das ausschließt und kein Miteinander kennt.
Die interkulturelle Begegnung
macht uns deutlich, dass es notwendig ist Alternativen zu finden, in der Kultur
und in der Politik:
In der Kultur, weg von Dominanz- und Leitkultur,
weg vom Kampf der Kulturen hin zum Miteinander;
In der Politik weg von Kolonialismus,
von Besatzung, von vorgeschriebener "Entwicklung" und von einer ungerechten
Globalisierung hin zu Gleichheit und Eigenständigkeit, insbesondere in Palästina
und insbesondere im Irak.
Wir haben unser Lokal Dar al Janub -
Haus des Südens genannt
Al Janub - Der Süden steht für
eine Vergangenheit und eine Geschichte, welche die größten Errungenschaften
der Menschheit, die Zivilisation, die Kultur, den Reichtum hervorbrachte
Al
Janub - Der Süden steht für alle Menschen und Länder die dem Kolonialismus
und der Fremdherrschaft gegenüberstanden und gegenüberstehen, und die
gegen diese
Fremdherrschaft und den Raub Widerstand leisten.
Al Janub
- Der Süden steht für Würde und Menschlichkeit, die Menschen aller
Herkunft erlangen wollen.
Al Janub - Der Süden steht für Engagement,
für Widerstand und Alternativen, für eine andere Zukunft. Eine andere
Zukunft, die viele Menschen anstreben, und die auch hier in Europa eine Perspektive
darstellt.
Das Dar al Janub möchte mitwirken diese Perspektive hier
in Europa zu entwickeln und zu verbreiten, und so einen Beitrag zur Veränderung
leisten.
Es soll allen Personen, Initiativen, KünstlerInnen und
Kulturschaffenden Raum und Unterstützung geben, die in diesem Rahmen einen
kulturellen, politischen oder wissenschaftlichen Beitrag geben wollen.
So findet hier in diesen Räumlichkeiten die Redaktion der Zeitschrift
Broschüre,
in der wissenschaftlich das Nord-Süd Verhältnis untersucht und analysiert,
und den Erscheinungen des Eurozentrismus auf den Grund gegangen werden soll, ihren
Redaktionssitz.
Gerade die Information und die wissenschaftliche Arbeit sollen
in Zukunft hier auch forciert werden.
Es gibt viele Aspekte in der europäischen
Geschichte, in der internationalen Politik und im Nord-Süd-Verhältnis,
die an den Universitäten wenn überhaupt, leider oft nur sehr oberflächlich
und eurozentristisch behandelt werden.
Hier sollen einerseits Informations-
und Diskussionsveranstaltungen helfen eine tiefere Perspektive zu bekommen. Es
soll aber auch die Möglichkeit zur Forschung und zu Seminaren über Inhalte
geben, die in den Universitäten, die leider immer mehr durch Markt- und Herrschaftslogik
bestimmt sind, zu kurz kommen.
Die Bibliothek des Dar al Janub soll ebenfalls
dazu genutzt werden.
Die Geschichte und Politik Lateinamerikas, Asiens, Afrikas
und des arabischen Raumes soll zugänglich gemacht werden, auch Kritik und
Widerstand gegen Kolonialismus, Besatzung, Globalisierung und Dominanzkultur sollen
Platz finden.
Etwas weiteres, wichtiges soll im Dar al Janub natürlich
nicht zu kurz kommen:
Das Zusammentreffen, das Gespräch, die Diskussion,
das gemeinsame Essen, Teetrinken - auch dafür steht al Janub - der Süden.
Wie vieles gibt es beim gemeinsamen Kochen und beim gemeinsamen Essen über
andere Kulturen und über Gewohnheit zu lernen, wie viel Freude kann man dadurch
gewinnen.
Das Dar al Janub soll aber auch ein Ort sein an dem Menschen die
aus dem Süden nach Europa gekommen sind, etwas von ihrer Heimat finden.
Nicht die Kälte und die Gewalt, die Bürokratie Europas soll hier bestimmend
sein. Wir möchten hier auch die Möglichkeit geben Europa kennenzulernen,
Sprachkurse in Deutsch und auch in Arabisch anbieten, Raum für Beratung und
Konversation geben.
Das Dar al Janub kann Unterstützung und ein Ausgangspunkt
zur Teilnahme am kulturellen, wissenschaftlichen und politischen Geschehen in
Europa sein. Wir laden engagierte KünstlerInnen und Kulturschaffende herzlich
dazu ein im Dar al Janub Möglichkeiten zu finden und zu realisieren, ihren
kulturellen Beitrag zur antirassistischen und friedenspolitischen Bildung umzusetzen
und den interkulturellen Austausch zu fördern.
Wir als Verein für
antirassistische und friedenspolitische Initiative möchten weiterhin durch
den Austausch und die Begegnung gewinnen. Und wir möchten mit Eurem Rückhalt
auf die Universitäten, die Institutionen, die politischen Verantwortlichen
in Europa zugehen und sie ebenfalls zum Dialog herausfordern.
Wir möchten
die Menschen hier mit der Perspektive des Südens konfrontieren, sie zu einer
Politik der Gleichheit und Gerechtigkeit, zu Antirassismus und zu Friedenspolitik
ermuntern.
So soll Schritt für Schritt Al-Janub - der Süden - die
politische und kulturelle Landschaft hier in Europa verändern.
Das
Dar al Janub ist offen, und lebt von der Beteiligung aller. Wir möchten Euch
zur Zusammenarbeit einladen, Euch einladen Eure kulturellen, politischen, sozialen
und wissenschaftlichen Ideen und Projekte zu verwirklichen.
Wir haben
sicher noch Gelegenheit weiter darüber zu sprechen, heute und wann immer
ihr wollt - das Dar al Janub soll wie ein Wohnzimmer für Euch sein.
Danke für Eure Aufmerksamkeit, danke für Euer Kommen, danke für
Eure Hilfe, und wir möchten Euch allen noch einen schönen Abend wünschen.
Peter
Leidenmühler, Sprecher des Vereins für antirassistische und friedenspolitische
Initiative