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Während die
US-Armee 2003 bereits in den Irak
einmarschiert war, fand im Pentagon
eine Sondervorführung des Films
"Die Schlacht um Algier"
statt, organisiert vom Pentagon's
Office for Direction for Special Operations
and Low Intensity Conflicts. Das geladene
Publikum, zivile und militärische
US-Entscheidungsträger, erhielt
eine schriftliche Einladung, in der
die aktuellen Erfahrungen ihrer Soldaten
im Irak mit denen der Franzosen im
Algerienkrieg abgeglichen wurden.
Die bei der Vorführung in Washington
Anwesenden interessierten sich besonders
dafür, wie der Einsatz der Folter
einerseits effizient sein könne,
andererseits aber auch Märtyrer
und Helden des Unabhängigkeitskampfes
hervorzubringen drohe. Teile der US-Führungselite
sahen offenbar ihre eigene Armee in
der Rolle der französischen Kolonialbesatzung
am Vorabend der Entkolonialisierung.
Dies wirft die Frage auf, inwiefern
die Geschichte des europäischen
Kolonialismus und des antikolonialen
Widerstandes im Zeitalter des "Postkolonialismus"
noch aktuell ist? Welche Kontinuitäten,
Parallelen und welche Diskontinuitäten,
welche Widersprüche und Brüche
werden erkennbar? Inwieweit lässt
sich antikoloniale Geschichte anhand
des Medium Films als Solche überhaupt
rekonstruieren?
Das Zeitalter des Kolonialismus markiert
die Epoche der größten
territorialen Aneignung der Menschheitsgeschichte.
Zum Ende des 1. Weltkrieges hatte
Europa 85 Prozent der Erde kolonialisiert.
Die Filmreihe "Antikolonialismus
im Film" gibt einen kleinen Einblick
in die Geschichte antikolonialer Widerstandsbewegungen.
In den ausgewählten Filmen werden
die Narrative der Kolonialisierten
und des antikolonialen Widerstand
thematisiert, die vom Kampf gegen
die Apartheid in Südafrika über
den nordirischen Unabhängigkeitskampf
bis zu den antikolonialen Kämpfen
in Libyen und Algerien reichen. Dass
diese Geschichten bis zum heutigen
Tag in Europa nur unzureichend überliefert
sind, hängt nicht zuletzt mit
kolonialen Geschichtsschreibungen
zusammen, in denen die von Europa
besetzten Länder als menschleere
Wüsten bar jedweger Zivilisation
und Kultur phantasiert wurden.
"Der Kolonialherr" schrieb
Frantz Fanon in seinem berühmtesten
Werk, " macht die Geschichte
und weiß, dass er sie macht.
Und weil er sich ständig auf
die Geschichte seines Mutterlandes
bezieht, gibt er deutlich zu verstehen,
dass er hier der Vorposten dieses
Mutterlandes ist. Die Geschichte,
die er schreibt, ist also nicht die
Geschichte des Landes, das er ausplündert,
sondern die Geschichte seiner eigenen
Nation, in deren Namen er raubt, vergewaltigt
und aushungert".
Ist antikoloniale Geschichte bis zum
heutigen Tag eine undenkbare Geschichte
geblieben? Wer war Omar Mukhtar, der
in Libyen den antikolonialen Widerstand
gegen die italienischen Faschisten
unter Benito Mussolini anführte?
Wer waren die Protagonisten des algerischen
Unabhängigkeitskampfes? Welche
inneren Widersprüche treten jenseits
reduktionistischer Dichotomisierungen
in Kolonisatoren einerseits und Kolonisierte
andererseits zutage?
Die raren Verfilmungen antikolonialen
Widerstandes als offener Widerspruch
zu Mainstream-Produktionen.
Wann und Wo: Ab 20.November
2009, jeden Freitag, jeweils 18 Uhr
im Dar al Janub
Filme:
# Omar Mukhtar -Der König
der Wüste - Spielfilm über
den antikolonialen Widerstand in Libyen
gegen den italienischen Faschismus.
Freitag, 20.November 2009, 18 Uhr
# Some Mother's Son - ist einer
der ersten Versuche die britische
Besatzung in Nordirland in einem Spielfilm
kritisch zu hinterfragen. Anfang der
80er Jahre ist Nordirland mit Checkpoints
durchzogen und Massenverhaftungen
der britischen Armee lassen die Situation
eskalieren. Alle Republikanischen
Bevölkerungsteile sind im Widerstand
organisiert. Die Gefangenen kämpfen
um ihre politischen Rechte mittels
Hungerstreik.
Freitag, 27.November 2009, 18 Uhr
# Hunger - Der britische Regisseur
Steve MacQueen liefert eine unerbittliche
Innenansicht über das Hochsicherheitsgefängnis
Long Kesh in Nordirland im Jahre 1981.
Aufgrund von Folter, Vergewaltigung
und Mord beginnen die irischen Gefangenen
unter der Führung von dem Parlamentarier
und Aktivisten Bobby Sands einen unbefristeten
Hungerstreik. Die Bilder des Spielfilms
zwingen Parallelen zu Abu Ghreib,
Bagram oder Guantanamo auf.
Freitag, 4.Dezember 2009, 18 Uhr
# Amandla! A Revolution In Four
Part Harmony - Dieser Dokumentarfilm
ist ein wichtiges Zeugnis von Oral
History. KünstlerInnen, Schauspielerinnen,
ehemalige UntergrundkämpferInnen
des ANC berichten über den Verlauf
des Widerstands gegen die Apartheid.
Die Kunst und hier vor allem die Musik
auf der Straße ist Spiegel und
zugleich Ansporn für den Widerstand.
Waren die Lieder Anfangs voller Trauer,
entwickeln sich die Gesänge zusehends
zu Kampfansagen gegen das Regime.
AMANDLA to the people!!!
Freitag, 11.Dezember 2009, 18 Uhr
Die Schlacht um Algier - Der
1966 gedrehte Spielfilm thematisiert
eine Episode des algerischen Unabhängigkeitskrieges
gegen den französischen Siedlerkolonialismus
der Jahre 1954 bis 1962.
Freitag, 18.Dezember 2009, 18 Uhr
Eintritt frei*