Am 6. August und am 9. August 1945
starben mehr als 300.000 Menschen in Hiroshima und Nagasaki beim ersten Atombombenabwurf
der Menschheitsgeschichte durch US-amerikanische Flugzeuge. Der Geschichte des
Krieges wurde ein neues, grauenhaftes Kapitel hinzugefügt: die in unvorstellbare
Maßen gesteigerte, gezielte und systematische Ermordung tausender und abertausender
Menschen binnen weniger Augenblicke; der geplante Angriff auf die Zivilbevölkerung
eines militärischen Gegners, die vollkommene Zerstörung ganzer Städte
und Dörfer; der totale Krieg in seiner kaltblütigsten Art. Der "Krieg
zur Beendigung aller Kriege" hatte das industrielle Morden perfektioniert;
per Knopfdruck konnten nun "Massen vernichtet"werden. Ein neuer, zynischer
Begriff beschrieb von nun an den Krieg: Massenvernichtung.
Entgegen der lange gepflegten Legende wussten die USA sehr genau, welche Wirkung
"Fat Man"und "Little Boy"- die beiden über Hiroshima
und Nagasaki abgeworfenen Bomben haben würden, und sie wussten auch,
dass Japan unmittelbar vor der Kapitulation stand. Das nukleare Höllenfeuer
sollte nicht Japan besiegen, sondern die vorrückende Sowjetarmee zum Stillstand
bringen.
Der Welt sollte demonstriert werden, welche gigantische Vernichtungskraft
und welchen unermesslichen Vernichtungswillen die USA besitzt, sie sollte vor
dieser Politik des "Shock and Awe"erschrecken und sich dem amerikanischen
Konzept der einen Welt unter amerikanischer Führung fügen.
Der
Abwurf der Atombombe war auch der Beginn der uneingeschränkten Hegemonie
der USA. Einer Weltmacht, die mit Hiroshima und Nagasaki vorführte, dass
sie bereit ist jederzeit, überall und mit allen Waffen gegen mögliche
und tatsächliche Widersacher vorzugehen.
Nach
dem Ende des sogenannten kalten Krieges wurde diese Herrschaft offensichtlich.
Rücksichtslos gegenüber jedem potentiellen Kontrahenten und ohne Rücksicht
auf internationales Recht und Völkerrecht soll nur mehr das Recht des Stärkeren
gelten. In einem System dieses Rechts ist der Schrecken der Atombombe leider nicht
Geschichte, sondern eine logische Konsequenz in der Gegenwart und in der Zukunft.
Die USA überlegen wieder offen Atomwaffen einzusetzen, sogenannte "MiniNukes",
Atomwaffen die begrenzte Gebiete vollkommen vernichten, sollen angewendet werden.
Dadurch zwingen sie Länder, die sich den USA nicht bedingungslos unterwerfen
wollen geradezu aufzurüsten, alle Bemühungen der Nonprofileration und
der Abrüstung werden von den USA direkt und indirekt torpediert.
Der Besitz von atomaren Waffen, die bloße Androhung und selbstverständlich
auch die reale Möglichkeit ihres Einsatzes stützen die Militärmächte
USA und Israel in ihrem Versuch ihre Weltordnung den Menschen und Völkern
aufzuzwingen. Ebenso wie die USA verlässt sich Israel auf die einschüchternde
Wirkung und den strategischen Vorteil des Besitzes von nuklearen Massenvernichtungswaffen.
Atomare Sprengköpfe in den Arsenalen der USA und Israels sind wie eine an
der Schläfe angesetzte Pistole eine verbrecherische Erpressung mit
der den Bedrohten der eigene Wille aufgezwungen werden soll.
Gleichzeitig
werden auch ohne den Einsatz von Atomwaffen Kriege geführt und "Massen
vernichtet", ebenfalls mit dem Ziel so viele Menschen wie möglich zu
töten. Das jahrelange Embargo gegen den Irak hat Millionen Menschen das Leben
gekostet, der Einsatz von Urangeschossen während des Golfkrieges 1991 und
2003 bis heute muss als Einsatz von nuklearen Massenvernichtungswaffen gebrandmarkt
werden. Und auch der laufende Krieg im Irak, der zwar eine breite öffentliche
Ablehnung erfahren hat, dennoch nicht verhindert werden konnte, und der im Zuge
der Besatzung weitergeführt wird, kostet täglich zahlreichen Menschen
das Leben, ist eine undeklarierte "Massenvernichtung". Die Stadt Falluja
wurde wiederholte Male durch amerikanische Großoffensiven heimgesucht, sollte
zur Abschreckung vollkommen zerstört werden, und auch hier war das hauptsächliche
Ziel möglichst viele ZivilistInnen zu töten um den Widerstand einzuschüchtern.
Angesichts der historischen und gegenwärtigen eingesetzten Massenvernichtung
ist es der Gipfel des Zynismus, wenn das edle Ziel der Verhinderung der Verbreitung
von Massenvernichtungswaffen als Argument für die Kriegsführung eingesetzt
wird.
So geschah es in der Kriegsvorbereitung gegen den Irak, und so
geschieht das gegenwärtig, wenn der Iran als weiteres Land von den US-Kriegsstrategen
bedroht wird.
Hiroshima zu gedenken bedeutet heute sich gegen die Durchsetzung
des Rechts des Stärkeren zu stellen, sich gegen Massenvernichtung in all
seinen grausamen Formen der grell aufleuchtenden und der still vor sich
gehenden zu stellen, sich gegen den "US-Krieg gegen den Terror"
in all seinen Facetten, der den größten Terror auf die Mehrheit der
Menschheit ausübt zu stellen.
Eine starke Friedensbewegung, und
eine Bewegung für Dialog, internationale Solidarität und Verständigung,
ist notwendiger denn je, um dem Rassismus und dem Haß gegen die Völker
des Südens, der täglich hier zu erzeugen versucht wird, und der die
Grundlage für Krieg und Massenvernichtung darstellt, entgegenzutreten.
Peter Leidenmühler
Sprecher des Dar al Janub/ Verein für
Antirassistische und Friedenspolitische Initiative
Diese Grußadresse
auch zu finden unter: hiroshima.at.