Eines der zentralen Arbeitsbereiche des Vereins für antirassistische und
friedenspolitische Initiative ist Integration und Partizipation von MigrantInnen
in Österreich bzw. in Europa. Wir definieren für unsere Tätigkeit
'Integration' jedoch nicht in der oft missbräuchlich verstandenen Form eines
Assimilationsprozess, in welchem Menschen aus den Ländern des Südens
ihren kulturellen, politischen und sozialen Hintergrund Schritt für Schritt
aufgeben und sich "anpassen" müssen bzw. sollen. Denn die lange
und blutige Geschichte der europäischen, kolonialistischen Expansion und
ihre Formen der politischen, ökonomischen und kulturellen Unterdrückung
anderer Völker und anderer Kulturen erfordert - unseres Erachtens nach -
gerade von europäischen NGOs, Institutionen und politischen Entscheidungsträgern
eine historisch verantwortungsbewußte Politik. Eine vom Kolonialismus jahrhundertelang
versuchte Akkulturation der kolonialisierten Kulturen einschließlich der
sich wandelnden rassistischen Legitimationen dafür, findet oftmals ihre Fortsetzung
in einer Integrationspolitik, die von MigrantInnen verlangt sich 'gefällig'
zu verhalten, sich"gefälligst" zu assimilieren.
Als
europäische NGO versuchen wir Integrationsarbeit und die Schaffung von Partizipationsmöglichkeiten
neu mitzugestalten. Soziale Interaktion, politische Kooperation und Gestaltung
der Aktivitäten und Veranstaltungen des Vereins sowie Sprach- und Fortbildungskurse
sind Teile einer Integrations- und Partizipationspolitik, die wir in diesem Sinne
verstehen und ausbauen wollen.
Beispiel
Deutschkurse: Die bisherigen Erfahrungen der von uns organisierten Deutschkurse
im Dar al Janub zeigen, dass diese einen wichtigen und wesentlichen Beitrag zur
Partizipations- und Integrationsarbeit darstellen.
Entgegen aktueller Tendenzen,
die im Sinne eines "Integrationszwanges" Deutschkurse als Druckmittel
unter Sanktionsandrohung aufzwingen wollen, sehen wir das Erlernen der deutschen
Sprache als freiwilliges Mittel zu verstärkter Partizipationsmöglichkeit
und Empowering von MigrantInnen. Dazu müssen die Rahmenbedingungen für
den Deutschkurs stimmen, d.h. die Lebensumstände, die Geschichte, die Bedürfnisse,
Schwierigkeiten sowie die Vorkenntnisse der MigrantInnen unbedingt berücksichtigt
werden. Als Grundlage dafür sehen wir das kostenlose Angebot der Kurse in
einem Rahmen, in dem MigrantInnen selbstbestimmt ihre Möglichkeiten entfalten
können.
Umgekehrt verstehen wir Integration als beidseitigen Prozess,
in dem die Erfahrungen und kulturellen Hintergründe der TeilnehmerInnen auch
Veränderungen und Lerneffekte bei den Nicht-MigrantInnen im Verein erfordern
und bewirken. Den Deutschkurs begleitende Maßnahmen wie Kinderbetreuung,
soziale Zusammenkünfte, gemeinsame kulturelle Veranstaltungen, Erörterung
von integrationspolitischen Fragen und Probleme, Frauen- und Begegnungsabende
verstärken diesen Prozess.
Trotz
einer quantitativen Zunahme des Angebots integrativer Deutschkurse in Wien und
in Österreich, weist die derzeitig praktizierte Integrationspolitik der österreichischen
Regierung massive Mängel auf. Die Bemühungen migrantischer und/oder
antirassistischer Vereine und Organisationen das Erlernen der deutschen Sprache
als freiwilliges Mittel zu verstärkter Partizipationsmöglichkeit und
Empowering von MigrantInnen zu ermöglichen und anzubieten, ohne dabei als
bürokratische oder behördliche Institution (mit all den bedauerlicherweise
immer noch institutionell verankerten Rassismen und Vorurteilen) vorzugehen, sondern
vielmehr an der Basis mit den Betroffenen zu arbeiten, wurden und werden leider
zunehmend durch teilweise protektionistische Umstrukturierungen, erzwungene Auslagerungen
und staatlichen Kürzungen erschwert und/oder sogar teilweise verunmöglicht.
So haben die massiven Kürzungen der Förderungen seitens der Stadt Wien
bzw. der Magistratsabteilung 17 dazu geführt, dass für die kommenden
Semester Vereine, die bisher Basisdeutschkurse für Migrantinnen mittels Geldern
der MA 17 kostenlos durchführen konnten nunmehr - aufgrund einer Weisung
der MA 17 - zur Einnahme eines Kursbeitrages von den Teilnehmerinnen verpflichtet
sind. Ebenfalls entfällt aufgrund dieser Kürzungen die Möglichkeit
einer kostenlosen Kinderbetreuung. Aus unserer Praxis integrationspolitischer
Arbeit wissen wir, dass dies für viele einkommensschwache Migrantinnen bedauerlicherweise
bedeutet auf den Besuch eines Deutschkurses verzichten zu müssen oder aber
unter Zwang ("Integrationsvertrag") zu absolvieren.