Im Rahmen des Projektes
"Palästina - Entwicklung hinter Mauern", gefördert von der
Österreichischen Entwicklungszusammenarbeit, veranstaltete der Verein für
antirassistische und friedenspolitische Initiative im Oktober 2006 eine Filmreihe
palästinensischer Spielfilme und Dokumentationen. Im Dar al Janub -
Zentrum Interkultureller Begegnung wurde am Donnerstag, den 12. Oktober der Film
Route 181 - Fragmente einer Reise in Palästina-Israel, am 19. Oktober die
beiden Kurzfilme "Like twenty impossibilities" sowie "Light at
the end of the tunnel" und am 26. Oktober der palästinensische Spielfilm
"Ticket to Jerusalem" gezeigt. Der Großteil der BesucherInnen
dieser Filmabende waren Studenten. Nach den Filmen wurde bei einem Buffet mit
palästinensischen Spezialitäten die Möglichkeit gegeben sich über
die Eindrücke der Filme zu unterhalten. Die palästinensischen Filme
boten für viele der BesucherInnen die Möglichkeit sich ein Bild über
das Leben und Leiden der PalästinenserInnen abseits der medialen Darstellungen
in Österreich zu machen.
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Am Donnerstag, den 9. November
gab es im Dar al Janub unter dem Motto "Sehnsucht nach Frieden" eine
Bilderausstellung von Dr. Angela Waldegg. Im August 2006 hatte Dr. Angela Waldegg
eine erfolgreiche Ausstellung beim Friedensfestival in Dikili, Türkei. Ihre
Friedensbilder wurden nun auch in Wien, gemeinsam mit Texten zum Frieden und der
Musik von Alp A. Bora vorgetragen und haben die Besucher des Abends zum Nachdenken
über das Thema anreget. Angesichts des täglich wütenden Krieges
in Palästina und dem jüngsten Libanonkrieg hielt uns die Künstlerin
durch ihre Bilder und Gedichte vor Augen, dass die Menschen Europas einen Beitrag
leisten können, sich gegen die Aggressionen und Kriege gegen die arabische
und islamische Welt zu stellen. 40% jedes verkauften Bildes wurden an Hilfsorganisationen
im Libanon und in Palästina gespendet. "Sehnsucht nach Frieden"
war eine Kooperationsveranstaltung des Dar al Janub und AMISNUh Theaterstudios. 
Im Bild: Angela Waldegg (links), Alp A. Bora (Zweiter v. l.)
Am Freitag den 10. November fand im Seminarraum des Institutes
für Afrikanistik der Universität Wien die vom Verein für antirassistische
und friedenspolitische Initiative organisierte Veranstaltung "Eine Gesellschaft
hinter Gittern - die palästinensischen Gefangenen in israelischen Gefängnissen"
statt. Der Referent Mag. Ghassan Saleh unterstrich in seinen Ausführungen,
dass die Frage der palästinensischen Gefangenen eine Frage des gesamten palästinensischen
Volkes sei, da praktisch jede palästinensische Familie einen oder mehrere
Verwandte hat, die sich in israelischer Haft befinden. In seinen einleitenden
Worten sprach der Oliver Hashemizadeh als Moderator des Abends über die völkerrechtswidrigen
Verhaftungsmethoden des israelischen Staates, der mehr als die Hälfte der
demokratisch gewählten Regierungsmitglieder Palästinas in Gefängnisse
verschleppt habe. Er wies darauf hin, dass die israelische Armee nach Gefangennahme
des israelischen Soldaten Gildad Shalit eine der größten Militäroffensiven
im Gazastreifen startete, durch die Hunderte von Menschen aus ihren Häusern
vertrieben wurden und die unzähligen Menschen das Leben gekostet habe. Israel
sei auf die Forderung alle Frauen, Kinder und Gebrechlichen aus israelischen Gefängnissen
zu entlassen, um im Gegenzug Shalits Freilassung zu erreichen nicht eingegangen.
Zugleich sei Gaza durch die komplette Abriegelung und die wirtschaftliche Blockade
- getragen auch von der EU - heute mehr denn je "das größte Freiluftgefängnis"
der Welt. Dass es in Europa einerseits zwar große Empörungswellen über
den entführten israelischen Soldaten gegeben habe, aber kaum jemand über
die Militäroffensive und die Realität der palästinensischen Gefangenen
und die Menschen im Gazastreifen spreche, zeige, dass es im europäischen
Diskurs große Lücken über diesen Konflikt gäbe und erkläre
die Notwendigkeit einer Veranstaltung wie dieser. Mag. Saleh belegte
durch Statistiken was die Praxis der willkürlichen Gefangennahme für
das alltägliche Leben der PalästinenserInnen bedeute. Knapp 10 000 arabische
Gefangene befänden sich in israelischen Gefängnissen, unter den Gefangenen
seien mehr als 100 Frauen und fast 400 Kinder, 46 Palästinenser säßen
bereits seit mehr als 25 Jahren in israelischen Gefängnissen. Der traurige
Rekord der längsten Haftzeit weltweit hält Israel mit der Haft von Said
Al-Obtba, einem palästinensischen Gefangenen aus der Stadt Nablus. Nahezu
jeder Palästinenser habe ein Familienmitglied das sich in israelischer Haft
befände, so Saleh. In seinen Ausführungen sprach Mag. Saleh über
die Schicksale von Familien die Jahre lang getrennt voneinander leben müssten
und nicht nur unter der Trennung von ihren Liebsten zu leiden hätten, sondern
auch psychische und physische Folter in den israelischen Gefängnissen ertragen
müssten, die regelmäßig zur Anwendung kommt um den Willen der
Gefangenen und ihrer Familien zu brechen, so Saleh. Schließlich sei Israel
einer der wenigen Staaten in dem Folter gesetzlich legitimiert wurde. Er
ging auch auf die harten, von der Besatzungsrealität geprägten Strapazen
und Demütigungen ein, die palästinensische Verwandte beim Besuch ihrer
Familienmitglieder erdulden müssten. Er wies darauf hin, dass Genehmigungen
für Besuche oft spontan von den isralischen Behörden zurückgezogen
würden und es so den Verwandten unmöglich gemacht werde ihre Familienangehörigen
zu besuchen. In der Regel, so Saleh, bräuchten die Angehörigen einen
ganzen Tag um eine Strecke von 60 km hin und retour zurückzulegen. Die Menschen
würden morgens früh aufbrechen und mitten in der Nacht zurückkehren,
wobei der Gefangenenbesuch nicht länger als 30 Minuten dauern würde.
Den restlichen Tag würden die PalästinenserInnen an Checkpoints verbringen
wo sie von israelischen Besatzungssoldaten schikaniert und gedemütigt würden.
An der Veranstaltung am Institut für Afrikanistik
nahmen ungefär 40 Personen teil, der Großteil waren StudentInnen. Im
Anschluss an das Referat von Mag. Saleh und dem Dokumentarfilm der einen authentischen
Einblick in die Realität der Gefangenen und deren Familien bot, gab es bei
einem Buffet die Möglichkeit dem Referenten vertiefende Fragen zu stellen,
sowie die Möglichkeit zur Diskussion zu nützen. Am
Mittwoch, den 22. November fand im Dar al Janub die Veranstaltung "Bericht
aus Beirut - der Libanon und die palästinensischen Flüchtlinge nach
der israelischen Aggression" statt. Referenten des Abends waren Dr. Leo Gabriel,
Leiter des Ludwig Boltzmann Instituts für zeitgenössische Lateinamerikaforschung
in Wien, Autor und Journalist, der sich im Juli während der israelischen
Aggression im Libanon befand, sowie Dr. Tarsousi, langjähriger Mitarbeiter
der UNRWA in Wien palästinensischer Herkunft, der unmittelbar nach dem Waffenstillstand
einen österreichischen Hilfskonvoi in den Libanon begleitet hatte.
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Dr. Gabriel hatte während seines Libanonbesuchs
einen Dokumentarfilm über die Situation des Landes gedreht, dessen gesamte
Infrastruktur während des 34tägigen Krieges zerstört wurde. Diese
Dokumentation zeigte das Elend und die Zerstörung die dieser Krieg hinterlassen
hat. Dr. Gabriel führte Interviews mit Zivilisten, die durch diesen Krieg
ihre Familie, ihr ganzes Hab und Gut verloren haben. Er zeigte Krankenhäuser,
sprach mit Ärzten und Betroffenen die darüber berichteten, dass diese
zivlilen Opfer keineswegs sogenannte "Kollateralschäden", sondern
Ziele dieses Krieges waren. Dr. Gabriel sprach mit verschiedenen Vertretern religiöser
und ethnischer Gruppen und zeigte durch diese Berichte auf, dass die Menschen
im Libanon unabhängig von ethnischen oder religiösen Zugehörigkeiten
während dieser Tage zusammen hielten und sich hinter den Widerstand gegen
die israelische Aggression stellten. Gabriels Film zeigte auch palästinensische
Flüchtlinge im Libanon, die davon sprachen, dass die Palästinenser mit
den Libanesen Seite an Seite stünden und dass dieser Krieg Israels gegen
den Libanon im Zusammenhang mit den Ereignissen in Palästina stehen würde
und sie sich auf die Seite des Widerstandes gegen diesen Krieg stellen würden.
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Dr. Gabriel wies in seinen Ausführungen darauf
hin, dass Israls Krieg gegen den Libanon bereits langfristig geplant gewesen sei
und dass es für Israel festgestanden habe diesen Krieg zu führen, jedoch
durch die Initiative der Hisbollah, die über Israels Pläne bescheid
gewusst hätte, den Zeitpunkt aufgezwungen bekommen habe. In seinem Vortrag
berichtete Gabriel, dass er - als langjähriger Journalist mit dem Schwerpunkt
Lateinamerika - während Fidel Castro im Krankenhaus war, dem ORF anbot neben
den Reportagen über die Befindlichkeiten der Exilkubanern aus Miami auch
einen Bericht über die Gefühlslage der Menschen in Kuba zu machen. Die
ORF-Verantwortlichen erklärte jedoch, daran kein Interesse zu haben. Als
Gabriel nach seinem Aufenthalt im Libanon dem ORF diesen Dokumentarfilm über
den Libanon anbot, erklärte der ORF Leo Gabriel den Anspruch auf "ausgewogene
Berichterstattung". Der ORF könne diese Dokumentation lediglich dann
ausstrahlen wenn gleichzeitig der israelische Standpunkt zur aktuellen Aggresssion
zu Wort komme. In der anschließenden Diskussion
ging Dr. Gabriel auf die Rolle Europas in der arabischen Welt ein und meinte,
dass er während seinen Aufenthalten im Libanon den Eindruck hatte, dass die
Menschen Europa gegenüber eine ungetrübtere Meinung hätten, als
gegenüber der USA. Wobei vor allem Frankreich im Libanon hohes Ansehen genieße
und die Deutschen aufgrund ihrer derzeiten Außenpolitik eher in Verruf geraten
seien. Der palästinensische Referent Dr. Tarsousi
berichtete über die Situation und Geschichte der palästinensischen Flüchtlinge.
Er sprach darüber, dass während der Staatsgründung Israels Tausende
von Palästinensern durch die sogenannte "Nakba" vertrieben worden
seien und in die Nachbarländer, nach Syrien, Libanon und Jordanien hätten
fliehen müssen. Er ging in seinen Ausführungen vor allem auf die Situation
der palästinensischen Flüchtlinge im Libanon ein, die während der
ersten Jahre in der Diaspora in Zelten leben hätten müssen, bis sich
die Flüchtlinge, nachdem immer offensichtlicher wurde, dass sie nicht baldmöglichst
wieder zurückkehren könnten Notquartiere aus Lehm errichtet hätten.
Dr. Tarsousi gab einen erschreckenden Bericht über die katastrophale humantiäre
Situation der palästinensischen Flüchtlinge. Über 70% der Menschen
seien arbeitslos, viele Menschen würden aufgrund der katastrophalen Lebensbedingungen
an chronischen Krankheiten leiden, die wegen der unzureichenden Infrastruktur
nur mangelhaft behandelt werden könnten. Er sprach über die umenschlichen
Bedingungen, die die PalästinenserInnen sowohl unter der Besatzung in Israel/Palästina,
als auch in ihrem Exil erleiden müssten. Dr. Tarsousi war Teilnehmer
einer österreichischen Delegation, die diesen Sommer lebensnotwendige Hilfsgüter
in den Libanon brachten. Er berichtete unter welch schweren Bedingungen
diese Hilfskonvois in das Land gelangten und wie die Situation vor Ort war.
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In der Diskussion wurde Dr. Tarsousi gefragt ob sich
die PalästinenserInnen angesichts ihrer Geschichte im Libanon, vor allem
den Massakern von Sabra und Schatila auch heute bedroht fühlen und sich vor
einem weiteren Krieg gegen die Flüchtlinge fürchten würden. Dr.
Tarsousi betonte, dass sich die PalästinenserInnen während der gesamten
Zeit des Exils mit einem Krieg gegen sie rechnen müssen und dass sie, wie
die Geschichte gezeigt habe, einer israelischen Aggression hilflos ausgeliefert
seien. Da die Flüchtlingslager derartige Ballungsräume seien, die von
außen vollkommen abgeriegelt werden könnten, würden sich die PalästinenserInnen
jeglicher Aggression seitens Israels schutzlos ausgeliefert sehen. Abschließens
gab es noch bei einem Buffet die Möglichkeit sich mit den Referenten zu unterhalten.
Diese Veranstaltung im Dar al Janub war mit ungefährt 50 TeilnehmerInnen
gut besucht, wovon der Großteil StudentInnen waren. |