Erste kurze Nachlese

Ausstellung "Palästina
- Kultur im Exil"
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Seit mittlerweile 60 Jahren
leben palästinensische Flüchtlinge in Flüchtlingslagern im Libanon.
Die ersten Flüchtlinge sind 1948 im Zuge der Gründung des Staates Israel,
die mit der Vertreibung von 700 000 PalästinenserInnen einherging, in die
angrenzenden arabischen Länder geflüchtet. Im Libanon leben heute mittlerweile
400 000 palästinensische Flüchtlinge.
Die Lebensbedingungen in den
Lagern sind schlecht - neben einer miserablen humanitären Situation ist auch
die politische und rechtliche Lage sehr schwierig - palästinensische Flüchtlinge
sind immer wieder Bedrohungen und Angriffen ausgesetzt.
Dennoch ist die palästinensische
Zivilgesellschaft in den Lagern sehr aktiv und lebendig - unzählige soziale,
politische und kulturelle Initiativen werden unter diesen schwierigen Bedingungen
durchgeführt. Einerseits wird dadurch die Verbindung zu Palästina aufrechterhalten,
andererseits der Alltag im Lager mit sozialem Leben gefüllt.
Die Ausstellung
gab Einblicke in diese sozialen und kulturellen Ausdrucksformen der palästinensischen
Zivilgesellschaft im Exil.
Textiles Kunsthandwerk und Stickerei weist
in Palästina eine lange und lebendige Tradition auf. Neben landläufigen
und verbreiteten arabischen Mustern und Verzierungen treten in den Stickereien
lokal-spezifische Variationen auf, die oftmals ganz typisch und charakteristisch
für bestimmte Regionen, Städte und Dörfer sind.
In der Ausstellung
mit mehr als 200 Exponaten wurde dieses Kunsthandwerk und seine Variationen auch
einem österreichischen Publikum umfassend zugänglich gemacht. Zu den
Ausstellungsstücken zählten neben handgearbeiteten und reich bestickten
Kleider, Tücher, Deckchen, Wandschmuck, u.v.m. auch "Stücke der
Erinnerung", Orginalstücke wie z.B. eine palästinensische Hochzeitseinladungen
aus der britischen Mandatszeit, Führerscheine und Reisepässe, ausgestellt
von der Palästinensischen Regierung vor 1948, Schlüssel jender Häuser,
die palästinensische Familien während der Nakba verlassen mussten und
andere Dokumente, sorgsam aufbewahrte Zeugnisse einer palästinensischen Gesellschaft
vor der Nakba.
Eine Fotosinstallation mit raren
Archivaufnahmen aus Palästina zwischen 1848 und 1948 ergänzte die Ausstellung,
die täglich von 10 bis 20 Uhr besucht werden konnte.
Am Abend der
Eröffnung folgten den Eröffnungsreden der Ehrengäste ein Konzert
der palästinensischen Musikgruppe Hanin aus Dänemark und eine Podiumsdiskussion
zum Thema Geschichte, Gegenwart und Perspektiven - Möglichkeiten und
Grenzen der EU als politische Akteurin und Vermittlerin im Nahostkonflikt. Zur
Frage des Rückkehrrechts palästinensischer Flüchtinge und deren
Auswirkungen auf eine friedliche Lösung des israelisch-palästinensischen
Konfliktes. ReferentInnen waren a.o.Univ. Prof. Dr. Andrea Komlosy von der
Universität Wien, Dr. Daud Abdullah, stellvertretender Generalsekretär
des Muslim Council of Britain und Mitarbeiter des Palestinian Return Centers London,
sowie Dr. Hannes Swoboda, Mitglied des Europäischen Parlaments und stellvertretender
Vorsitzender der Fraktion der Sozialdemokratischen Partei Europas.
Der
zweite Abend der Ausstellung erinnerte mit dem Film "The Return" an
die Vertreibung und Flucht der Palästinensischen Bevölkerung vor 60
Jahren und die aktuelle Situation der palästinensischen Flüchtlinge
in der Diaspora. Gegen 19 Uhr erzählten zwei palästinensische Zeitzeugen,
Herr DI. Said Khadra und Dr. Bassam Khalidi in einem Live-Interview von ihren
persönlichen Erinnerungen aus den Tagen und Wochen der Nakba, als sie im
Kindesalter ihre Heimat Palästina verlassen mussten.
Am dritten
Abend wurde in einem Workshop, den etwa 30 Personen besuchten versucht, die Darstellung
des palästinensisch-israelischen Konflikts in den europä¤ischen Medien
kritisch zu analysieren und gemeinsame Kriterien zu entwickeln, anhand derer Medienkonsumenten
die Berichterstattung hinterfragen können.
Am vierten und letzten
Abend bot Marwan Abado den BesucherInnen ein Konzert mit Oud und Gesang, und traditioneller
palästinensischer Dabke-Tanz beendete schließlich die viertägige
Ausstellung.